STFI: Kuhschuh und Hühnerkleid: Textile Unter...
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Kuhschuh und Hühnerkleid: Textile Unterstützung für Nachhaltigkeitsprojekte

STFI/D. Hanus
Mobiles und robustes Sensorsystem zur Messung der Druckbelastungen unter den Klauen von Milchkühen im Laufstall
Mobiles und robustes Sensorsystem zur Messung der Druckbelastungen unter den Klauen von Milchkühen im Laufstall

Textilforschung und Landwirtschaft? Das wirkt auf den ersten Blick nicht so, als gäbe es dort besonders viele Schnittstellen. Schaut man jedoch genauer hin, finden sich auch im landwirtschaftlichen Bereich Problemstellungen, die mittels textiler Unterstützung bearbeitet werden. Besonders die Schlagworte Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft spielen bei den Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkten in diesem Sektor eine große Rolle. Auch Textildesigner können sich Inspiration sowie frische Ideen aus der Landwirtschaft holen.

In der 5. Ausgabe des Online-Formates STFI webTalks am 15.April 2021 wurden spannende Neuentwicklungen präsentiert, bei denen das Sächsische Textilforschungsinstitut e. V., Chemnitz, mit textilem Know-how und entsprechender Anlagentechnik mitgewirkt hat. In der einstündigen Session wurden 2 Projekte vorgestellt, die den Fokus zum einen auf Milchrinderhaltung und zum anderen auf Verwendung von Hühnerfedern legen. Was zunächst nur wie ein kleiner Exkurs auf den Bauernhof klingt, entpuppt sich als Beispiel für nachhaltige Innovationen mit hoher Relevanz in Bezug auf Tierschutz, Ressourceneffizienz und modernem Textildesign.

Im ersten Teil der webTalks stellte Dr. Yvette Dietzel das Projekt KlauSens des Veterinär-Anatomischen Institutes der Universität Leipzig vors. Inhalt dieses Projektes ist die Entwicklung eines mobilen und robusten Sensorsystems zur Messung der Druckbelastungen unter den Klauen von Milchkühen im Laufstall, welches unter Praxisbedingungen getestet wurde. Das Sensorsystem besteht aus flexiblen, textilen, wasserfesten Sensorsohlen und Klauenschuhen. Die Klauenschuhe wurden am STFI mitentwickelt. Mithilfe des Systems werden Daten erfasst, die die direkte Interaktion zwischen Klaue und Boden beschreiben. Ziel des Ganzen: die Laufflächengestaltung von Milchrinderhaltungssystemen sowie die biomechanischen Effekte und damit die Qualität der Klauenpflege objektiv analysieren und beurteilen.

Der zweite Teil legte den Fokus auf nachhaltiges Textildesign. Die Studentin der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, Sophia Reißenweber, berichtete über Inhalte ihrer Studienarbeit „HYNER – Textilien aus Hühnerfedern“. In ihre Arbeit HYNER entwickelt sie Textilien aus Hühnerfeder-Abfällen und fördert mithilfe einer Huhnpatenschaft die Biodiversität. Im Projekt entstand mit STFI-Unterstützung durch die ressourcenschonende Technologie der Wasserstrahlverfestigung ein recycelbares Vlies mit den Eigenschaften von Wolle und seidenähnlichem Glanz. Über eine App können sogar Kleidungsstücke konfiguriert und Huhnpatenschaften in der Nähe gesucht werden.


Entwicklung eines recycelbaren Hühnerfedervlieses mittels Wasserstrahlverfestigung
 

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