DTB: Die Branche wird zum sofortigen Handeln ...
DTB

Die Branche wird zum sofortigen Handeln gezwungen

(Source: Pixabay)
(Source: Pixabay)

Personalmangel, geringe Produktionskapazitäten, verlängerte Lieferzeiten, großer
Kostendruck - diese Themen im Zusammenhang mit gestörten Lieferketten
beschäftigen aktuell die Textil- und Bekleidungsbranche und werden auch 2022 eine
große Herausforderung darstellen. Die veränderte Beschaffungssituation durch sich im Umbruch befindende Lieferketten und personelle Veränderungen in den Produktionsländern zwingt die Branche zum sofortigen Handeln. Neue Sourcing- Strategien müssen gefunden werden und langfristige Partnerschaften in
der textilen Kette vom Produzenten bis zum Handel wieder etabliert werden.
Der DTB – Dialog Textil-Bekleidung e.V., Feldkirchen, bot bei der Veranstaltung „Brisanzthema Sourcing“ Ende November eine Plattform für Produzenten und Brands.

Wertverlust der Mode
Dr. Achim Bayerl, BTB Bulgaria, gab einen Überblick über die Transformation des europäischen Beschaffungsmarktes aus der bulgarischen Perspektive. Dort kommt es vor allem durch die extremen Personalkostensteigerungen zu Auswirkungen. Es werde immer schweres, qualifiziertes Personal zu finden und zu halten. Dies bestätigte auch Bertram Rollmann, Pirin-Tex: Durch die Corona-Pandemie musste teilweise von Seiten der Brands eine Vollbremsung vollzogen werden. Kapazitäten wurden über Nacht eingestellt, viele Mitarbeiter verloren ihre Arbeit und gehen nun anderen, besser bezahlten Beschäftigungen nach. Das führe aktuell zu dem Problem, dass bei wieder steigender bzw. momentan sogar überhöhter Nachfrage die Kapazitäten nicht schnell genug hochgefahren werden könnten. Rollmann appellierte an die Produktionspartner, die Ängste der Produzenten ernst zu nehmen. Die Wertigkeit der Produkte müsse gesellschaftlich – auch unter dem Nachhaltigkeitsaspekt – wieder anders gesehen werden.

Geben Sie uns Hoffnung
In Rumänien und der Ukraine bietet sich ein ähnliches Bild, wie Petra Gehlhaus, Veit GmbH, und Radu Stanica-Selzer, Texco Group Romania, berichteten. Auch dort mussten Corona bedingt Aufträge storniert werden: Mitarbeiter wurden entlassen, Firmen verkleinert oder die Produktion auf Masken- und Schutzanzüge umgestellt. Nun kommen die Brands zurück und finden wegen der oben genannten Gründe stark reduzierte Produktionskapazitäten mehr. Stanica-Selzer forderte von den Marken für die Zukunft mehr Stabilität, damit Lieferketten partnerschaftliche gestaltet werden können. Dies bedeute in der Praxis garantierte Stückzahlen und faire Bezahlung.

Stabile Situation in Portugal
Twintex berichtet aus Portugal, dass nie die gesamte Produktion stillstand. Zu wenig Personal sei dort nicht das Hauptproblem. Vielmehr kämpfen die portugiesischen Hersteller mit hohen Transportkosten und fehlendem Rohmaterial. Es werde versucht, die Kostenerhöhung durch eine Erhöhung der Effizienz, durch Automatisierung zu kompensieren. Insgesamt blickt Twintex optimistisch in die Zukunft: die Auftragslage würde wieder besser und immer mehr Kunden kämen zurück aus Asien. Dies sei, obwohl es viel Umdenken erfordere, ein gutes Zeichen.

Parallelität der Erfahrungen
Von einer ähnlichen Situation berichtete Alexander Karl, Heika Confection, aus Tunesien. Im Gegensatz zu Osteuropa ist dort die Modeindustrie nach wie vor attraktiver Arbeitgeber. Man habe nur wenige Mitarbeiter und damit Kapazitäten verloren. Aktuell befinde sich Tunesien bereits fast wieder auf Vor-Corona-Niveau. Problematisch seien jedoch Lohnerhöhungen und eine hohe Inflation plus die Wechselkursthematik, die insgesamt zu Preiserhöhungen führen werde.

Schnelligkeit durch Digitalisierung
Wie alle anderen, haben auch die in der Türkei ansässigen Produzenten mit steigenden Preisen zu kämpfen. Jedoch stellt sich die Situation durch die Möglichkeiten der digitalen Produktentwicklung etwas anders da. Ergin Aydin und Esra Caglarer, TIHCAD (Turkish Exporters and Employees Association) hoben hervor, dass die hohe Nachfrage dank schnellerer Abwicklung durch Digitalisierung gut zu bewältigen sei. Beide rufen dazu auf, die Zurückhaltung neuen Technologien gegenüber schneller abzulegen – es benötige neue Strategien, um kollektiv gute Lösungen zu erarbeiten.

Kooperation im Netzwerk
Mit der Vorstellung seiner digitalen Sourcingplattform präsentierte Philipp Grüntker,
Fourscource Group GmbH, eine mögliche Lösung, um schnell und kostengünstig einen Überblick über die gesamte Lieferantenlandschaft zu erhalten. Da Sourcing-Reisen bis auf Weiteres stark reduziert sind, sei die Zusammenarbeit und der unkomplizierte Austausch im Produzenten-Netzwerk für Einkäufer ein starker Wettbewerbsvorteil. Wie weit diese digitale Entwicklung in Zukunft geht, sei extrem spannend, merkte Christopher Veit, Veit GmbH, an: „Was schaffen wir, wirklich zu digitalisieren und wie viele echte Treffen und Reisen werden künftig übrig bleiben?“

Großer Druck wieder profitable zu werden
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass mit den steigenden Kosten der Druck auf alle Teilnehmer der Supply Chain wächst. Alle Länder stehen vor den gleichen Herausforderungen. Dazu kommen weitere Regularien wie zum Beispiel das Lieferketten- und das Sorgfaltspflichtgesetz. Beschaffungsprozesse seien komplex, dennoch sollte das Supply Chain Management kein Wettbewerbsvorteil sein – am Ende stehe allein das Produkt im Vordergrund,so Guido Brackelsberg, Setlog GmbH.


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