SmartERZ : Knittronic macht Textilien schlau
SmartERZ

Knittronic macht Textilien schlau

Blick in die Fertigung der Textilausrüstung Pfand GmbH (Foto: Ellen Liebner)
Blick in die Fertigung der Textilausrüstung Pfand GmbH (Foto: Ellen Liebner)

Im branchenübergreifenden Technologiebündnis SmartERZ ist kürzlich ein weiteres Verbundprojekt gestartet worden: Das Vorhaben mit dem Namen Knittronic hat das Ziel, elektronische Schaltungen und leitfähige Materialien in Flächentextilien zu verarbeiten. Daran beteiligt ist unter anderem die Ruther & Einenkel GmbH & Co. KG, Annaberg-Buchholz und die Textilausrüstung Pfand GmbH, Lengenfeld.

Shirts, Jacken und Hosen, die mehr können, als nur modisch und funktional zu bekleiden sind bereits als Wearables bekannt. Sie können leuchten, wärmen und mit mobilen Endgeräten kommunizieren. Allerdings passen technischer Anspruch und Tragekomfort oft noch nicht zusammen, weil Körpertemperatur, Stoffempfinden und eine alltagstaugliche Reinigung nicht ohne weiteres zu Kabeln und elektrischer Spannung passen. Dabei wären beispielsweise Bettauflagen mit integrierten Sensoren zur Überwachung von Körperfunktionen, die auch eine hygienegerechte Kochwäsche vertragen, als funktionalisiertes Textil für Kranken- und Pflegeeinrichtungen wünschenswert.

Mit der Entwicklung funktionalisierbarer Textilien, die in Flexibilität, Tragekomfort und Waschbarkeit mit klassischen Stoffen vergleichbar sind, beschäftigen sich nun im Projekt Knittronic 5 Verbundpartner, um diesen erweiterten Funktions-Anforderungen gerecht zu werden. Das Textilforschungsinstitut Thüringen-Vogtland e.V. (TITV), Greiz, unterstützt die Forschungsarbeit.

Von der Textilausrüstung zur smarten Aufrüstung

Die ursprüngliche Idee für Knittronic stammt aus dem Forschungsinstitut und wurde in intensiven Fachgesprächen mit der Textilausrüstung Pfand GmbH bezüglich der industrieseitigen Anforderungen konkretisiert. Die Projektkoordinatorin Petra Erth spricht von einer Funktionalisierungslücke, wenn sie den Weg beschreibt, wie das mittelständische Spezialunternehmen für die thermische, chemische und mechanische Ausrüstung von Flächentextilien nun an der Entwicklung smarter Zukunftstextilien mitwirkt. „Im Grunde liegt die Antwort bereits in unserer Kernkompetenz: Wir funktionalisieren im Auftrag unserer Kunden deren Textilien. Wir erzielen die gewünschten Eigenschaften wie z.B. den antibakteriellen, geruchsabsorbierenden oder den wasserabweisenden Charakter eines Stoffes durch verschiedene Verfahren. Da ist es naheliegend, sich auch Gedanken über mögliche Funktionen eines smarten Textils zu machen“, führt Petra Erth aus. Mit dem TITV Greiz, die ein langjähriger Partner des Unternehmens sind, bietet das Netzwerk SmartERZ die Gelegenheit, sich intensiver mit der Thematik zu befassen.

Starke textile Fertigungsexpertise

SmartERZ unterscheidet sich von anderen Netzwerken aufgrund des branchenübergreifenden Aufbaus. Es kann dabei über den textilen Tellerrand geschaut werden. Dies ist ein großer Mehrwert, weil nur so am Standort komplexe Anwendungen gemeinsam entwickelt werden können.

Die Stärke des Technologiebündnisses SmartERZ liegt in seiner Offenheit, die sich in den Branchen, aber auch auf regionaler Ebene zeigt: Das Erzgebirge weist eine große Branchenvielfalt und Fertigungsstärke auf. Ansässige Unternehmen im Maschinenbau, der Elektrotechnik, Kunststoffverarbeitung und Textilindustrie können jeder für sich Mehrwerte bei der Entwicklung von funktionalisierten Textilien einbringen. Deshalb hat die Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH die Gründung eines Forschungs- und Technologienetzwerkes in diesem Bereich vorangetrieben. Gerade der Blick auf Kompetenzen in der Gesamtregion Südwest-Sachsen und die Zusammenarbeit mit Forschungspartnern im regionalen Umfeld bereichern den Austausch.

So wurde die Ruther & Einenkel GmbH & Co. KG, Annaberg-Buchholz, explizit wegen der Fertigungsexpertise für Bandtextilien sowie einer besonderen Verarbeitungstechnologie für die Mitwirkung im Projekt Knittronic angesprochen.

Die komplexe, aber vielseitige Zusammensetzung des Projektteams lässt einen vielversprechenden Austausch erwarten. Knittronic vereint insgesamt 4 Textilunternehmen unterschiedlicher Ausrichtung, da verschiedene Herstellungs- und Ausrüstungsverfahren für flache Gewirke, für Abstandsgewirke und das Häkelgalonverfahren spielen eine Rolle bei der Entwicklung des neuen Textils. Das Ziel ist, eine digitale Funktionalisierung zu erreichen, ohne dabei Einschränkungen bei typischen Eigenschaften, wie Dehnbarkeit und Tragekomfort des Textils zu erzielen. Neben der Textilausrüstung Pfand und der Ruther & Einenkel, wirken als Industriepartner die KSO Textil GmbH, Olbersdorf und die Pressless GmbH, Flöha im Projekt Knittronic mit.

SmartERZ

SmartERZ ist ein Netzwerk von aktuell über 180 Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. Ziel des Bündnisses ist die Initiierung eines innovationsgetriebenen Strukturwandels in der Wirtschaftsregion Erzgebirge. Der Fokus liegt dabei auf der Funktionalisierung von innovativen Werkstoffverbunden (Composites). Das enorme Innovations- und Wachstumspotential derartiger Materialien nutzt die Region Erzgebirge zur Transformation zum Hightech-Standort.

SmartERZ versteht sich als branchen- und unternehmensübergreifendes Technologiecluster, das langfristig regionale Wertschöpfung generiert. Hauptinitiatoren sind die Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH als Bündniskoordinator und die TU Chemnitz. Das Bündnis wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Programmes „WIR! – Wandel durch Innovation in der Region“ gefördert.

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