Interview mit Thomas Bußkamp, CEO bei EuroCom...
Interview mit Thomas Bußkamp, CEO bei EuroComport

Nachhaltige Arbeitsweise macht Unternehmen attraktiver

EuroComfort
Thomas Bußkamp (CEO der EuroComfort Group)
Thomas Bußkamp (CEO der EuroComfort Group)

Corona, die Klimakrise und komfortable Textilprodukte unter einen Hut zu bringen, ist eine hochkomplexe Aufgabe. Thomas Bußkamp, CEO der EuroComfort Group, stellt sich mit seinen Mitarbeitern dieser Herausforderung. Im Interview erklärt er, wie sich das Corona-Jahr 2020 auf EuroComfort auswirkt, warum ihm das Thema ökologische Nachhaltigkeit wichtig ist und was nachhaltiges Arbeiten für Unternehmen attraktiv macht.

Das Jahr 2020 war für praktisch jedes Unternehmen eine Besonderheit. Wie hat sich die spezielle Situation auf die EuroComfort Group ausgewirkt?

Das vergangene Jahr stellte uns in vielen Bereichen vor neue Herausforderungen. Gerade zu Beginn der Pandemie verzeichneten wir Umsatzeinbrüche, doch hat sich die Auftragslage recht schnell wieder erholt, weil der Bedarf etwa an Polstermöbeln oder Decken stieg. Das führte zu einem anderen Problem, nämlich der Verknappung von Rohmaterialien. Die Preise für diese Rohstoffe sind entsprechend gestiegen. In den letzten Monaten des Jahres verzeichneten wir einen Ausfall von Rohmaterialien von 30 %, bei gleichzeitig steigenden Preisen.
Wirtschaftlich ist es also eine schwierige Situation, mit der wir aber umgehen können. Das Unternehmen ist nicht gefährdet.

Auch der Kontakt zu Kunden und Interessenten ist nach wie vor stark eingeschränkt. Wie reagieren Sie darauf?

Normalerweise sind Messen wichtig für uns, um den Kontakt zu Kunden und Interessenten herzustellen, denn wir stellen Produkte her, die man vor dem Kauf testen möchte: Um Interessenten zu überzeugen, müssen sie einen Eindruck von der Optik, dem Material und der Haptik bekommen. Um dies auch unabhängig von Messen und zeitlich flexibel zu ermöglichen, schaffen wir einen neuen Showroom, in dem wir unser Portfolio in unserer Heimat Bocholt auf 1600 m² präsentieren. Hier können wir Kunden und Partner sicher empfangen und sie beim Gang über die Hausmesse begleiten. Geplant sind neben dem „Vor-Ort-Erlebnis“ auch virtuelle Rundgänge, um ein hybrides, zeitgemäßes Konzept zu erschaffen.

Die Textil-Industrie wird teils wegen ihrem Umgang mit Umwelt und Ressourcen kritisiert. Welche Rolle spielt das Thema ökologische Nachhaltigkeit bei der EuroComfort Group?

Die ökologische Nachhaltigkeit spielt für uns eine große Rolle. In anderen Teilen der Welt sind die durch Menschen entstandenen Schäden bereits viel stärker ausgeprägt als in Deutschland, doch selbst hier sind die Auswirkungen mittlerweile spürbar. Deshalb arbeiten wir schon seit 10 Jahren aktiv an dem Thema. Etwa indem wir möglichst das gesamte Material verarbeiten, das wir einkaufen. So landen Schnittreste aus der Produktion bei uns nicht im Müll, sondern werden weiterverarbeitet. Die Materialien, die wir nicht weiter nutzen können, wie zum Beispiel Papier oder andere Verpackungsmaterialien, gehen komplett in den Recycling-Kreislauf. Somit sind wir praktisch eine Zero Waste Company.
Zudem setzen wir schon beim Einkauf auf recycelte Rohstoffe. So haben wir im letzten Jahr etwa 10.000 t recycelte Polyesterfasern (rPET) und etwa 5 Mill. lfm Stoff aus recyceltem Polyester verarbeitet – ohne jegliche Qualitätseinbuße. Das entspricht 50 % unseres Bedarfs an Fasern und 10 % an Stoffen.
Das hat natürlich auch wirtschaftliche Vorteile, weil weniger Rohmaterial benötigt wird und die Kosten für die Entsorgung entfallen. Dies ist ein entscheidender Punkt, wenn es darum geht, mehr Unternehmen dazu zu bewegen, nachhaltiger zu arbeiten: Nachhaltigkeit ist dann attraktiv, wenn sie auch wirtschaftlich Sinn macht.  

Mit einer groß angelegten Initiative fordert Greenpeace die Textilindustrie auf, auf den Einsatz von Chemikalien zu verzichten. Wie stehen Sie zur Detox-Kampagne der Umweltorganisation?

Sie ist ein Beispiel dafür, wie wir auf die Anforderungen unserer Kunden eingehen. Im Rahmen dieser Kampagne haben sich große Unternehmen wie Aldi oder Lidl dazu verpflichtet, bei der Produktion ihrer Textilien auf den Einsatz von wassergefährdenden Stoffen zu verzichten. Mit dieser Anforderung kamen unseren Kunden damals auf uns zu. Um dies zu ermöglichen, haben wir einen sehr hohen Aufwand betrieben. Zunächst musste die Frage nach dem „wie“ beantwortet werden, ein Patent-Rezept gab es nicht. Wir haben zunächst Textilingenieure mit entsprechendem Know-how eingestellt, um dann mit diesen die Abwasserreinigung in unseren Ausrüstungsbetrieben komplett neu zu entwickeln. Das erfordert nicht nur die Lösung sehr komplexer Problemstellungen, sondern teils auch zunächst eine große Überzeugungsarbeit. Hier haben wir als Marktführer Pionierarbeit geleistet, sodass es heute ein Verzeichnis gibt, in dem die entsprechend zertifizierten Unternehmen aufgeführt sind.

Eine nachhaltige Arbeitsweise schreiben sich viele Unternehmen auf die Fahnen. Woran können Kunden konkret erkennen, dass die EuroComfort Group diesen Anspruch auch tatsächlich umsetzt?

Das wird von unabhängiger Stelle durch verschiedene Zertifizierungen bestätigt. Dabei werden nicht nur unsere Produkte, sondern auch die Produktionsstätten und Lieferketten sowie die Logistik geprüft. Insgesamt sind wir mit zahlreichen Zertifikaten und Siegeln, die teils von offiziellen Stellen, teils von NGOs vergeben werden, ausgezeichnet. Zuletzt wurde uns das Siegel „Grüner Knopf“ verliehen. Hierfür erfüllen wir verschiedene unternehmens- und produktseitige sowie soziale Kriterien. Dadurch, dass es sich hierbei um ein staatliches Siegel handelt, wird ein gewisser Standard vorgegeben. Eine Entwicklung, die wir gerne sehen, denn nur einheitliche Standards können echte Veränderungen bewirken.
Ein anderes Beispiel für einen internationalen Standard ist STeP, was für Sustainable Textile & Leather Production steht. Unsere Produktionsstätten in Polen und China erfüllen die dazugehörigen Kriterien, denn unser Engagement beschränkt sich nicht nur auf die Bundesrepublik. Ich sehe uns in Deutschland mit unserem Wohlstand und unserer Power ganz klar in der Verantwortung, beim Thema Nachhaltigkeit voranzugehen.
Ich bin überzeugt, dass solchen Standards künftig noch höhere Bedeutung beigemessen wird. Auf diese Zukunft sind wir bereits heute vorbereitet.

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