Interview mit Rolf Ramisch, Kalander Technolo...
Interview mit Rolf Ramisch, Kalander Technologie Consultant

Der europäische Textilmaschinenbau bleibt gut aufgestellt

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Rolf Ramisch (Quelle: Ramisch Kalander Consulting)
Rolf Ramisch (Quelle: Ramisch Kalander Consulting)

Mit mehr als 50-jähriger Erfahrung in der Textilindustrie und im Textilmaschinenbau gilt Rolf Ramisch als einer der Pioniere auf dem Gebiet der Kalanderveredlung. Er folgte seinem Vater Dr. Walter Ramisch, welcher im Jahre 1948 die damalige Firma Dr. Ramisch & Co. Maschinenbau begründete. 1974 gründete Rolf Ramisch nach dem Tod seines Vaters, in Gemeinschaft mit der Kleinewefers Beteiligungs GmbH die Ramisch Kleinewefers GmbH in Krefeld. 1991 nach seinem Ausscheiden aus dem Unternehmen gründete er zusammen mit Hendrick van Delden das Beratungsunternehmen Ramisch van Delden GmbH und war auch als Consultant der Treuhand tätig. Nach Abschluss der Beratungstätigkeit für die Treuhand in Berlin verließ er die Ramisch van Delden GmbH wieder und widmete sich erneut dem textilen Kalanderbau und stellt auch heute noch seine langjährige Erfahrung in der Entwicklung und im Bau von Hochleistungskalandern der Textilbranche zur Verfügung.

Die Textilindustrie ist in einem stetigen Wandel. Erzählen Sie uns kurz von den wichtigsten Innovationen und Veränderungen auf dem Gebiet der Kalander-Technologie in den letzten 50 Jahren.

Besonders die Entwicklung der schwimmenden Walze durch Eduard Küsters zu Beginn der 50er Jahre war ohne Zweifel für uns Wettbewerber bahnbrechend. Diese führende Position wurde allerdings 1978 durch die Entwicklung der Nipco-Walze bei der Escher Wyss AG gebrochen. Dies ist eine zonengesteuerte Walze. Damit kam die erste, echt Breiten regulierte Biegeausgleichswalze, in den Markt. Auch heute ist die Nipco-Technologie führend, wenn wechselnde Arbeitsbreiten und Druckprofile in Variation technisch erforderlich sind. Die Ramisch Kleinewefers GmbH sicherte sich die weltweiten, exklusiven Vermarktungsrechte für die textile Anwendung. Innovative Weiterentwicklung des Systems- wie Nipco L oder Nipco Star - brachten der Ramisch Kleinewefers GmbH schnell die Weltmarktführung. Der Ramisch Kalander wurde zu einem Gattungsbegriff.

Welche Bedeutung hatten die Unternehmenszusammenschlüsse? Gab es diese auch in anderen Bereichen des deutschen und europäischen Textilmaschinenbaus?

Die vielfältigen Unternehmenszusammenschlüsse führten im Ergebnis - vor allem im Bereich der Nassveredlung - zu einer mehr als kritisch zu sehender Abwanderung des deutschen Textilmaschinenbaus. Hier ist besonders das ungestüme Wachstum der chinesischen Anbieter zu betonen. Es sind nur wenige, bedeutende Firmen übriggeblieben, die sich diesem Trend widersetzen konnten. Ich denke hier an Firmen wie, Brückner, Thiess, Osthoff oder Dilo, um nur einige zu nennen. Konsequente, innovative Geschäftsführungen dort, haben ihre führende Stellung im Weltmarkt bis zum heutigen Tag behaupten können

Was sind Ihrer Meinung nach momentan die wichtigsten Trends im Bereich der Textilausrüstung?

Eine Rückbesinnung auf eigene Stärken, Konzentration auf ein gesundes Nischengeschäft, wo Innovation, Flexibilität und Technologie Leadership täglich gefordert wird. Der Trend geht weg von hohen Metragen und hin zur bedingungslosen Qualität. Dies ist größte Herausforderung für uns alle.

Der Klimawandel ist derzeit auch eine der größten Herausforderungen. Die Textilindustrie gilt als eine der umweltschädlichsten Branchen überhaupt. Welche Veränderungen gibt es in Bezug auf Nachhaltigkeit im Textilmaschinenbau und in der Textilausrüstung?

Derzeit wird der Einsatz von Chemie wird auf das absolut notwendige reduziert. Natürliche Farben erleben eine beispiellose Renaissance. Der Wasserverbrauch wird mit großem Aufwand reduziert und in eigener Verantwortung wird auch das Brauchwasser geklärt.

Zudem gewinnen recycelte Gewebe immer mehr und mehr an Bedeutung. Allerdings können derzeit nur Textilien ohne Stretchfasern auch recycelt werden.

Sie haben die Internationalisierung der Textilindustrie und auch des Textilmaschinenbaus hautnah miterlebt. Berichten Sie uns von Ihren wichtigsten Erlebnissen. Wo steht der deutsche und europäische Textilmaschinenbau heute?

Zweifelsfrei war mein wichtigstes Erleben die Entstehung eines zunehmend technisch sich angleichenden Textilmaschinenbaus in China zu Preisen im Markt, wo kein deutscher oder europäischer Anbieter mithalten kann. Kopie von Technologien, Dumpingpreise im Wettbewerb und sich verfestigendes Technologie Know-How macht uns zunehmend zu schaffen. Der deutsche Textilmaschinenbau steht mehr und mehr im internationalen Wettbewerb und muss sich dort durch innovatives Handeln, basierend auf nachgewiesener Fachkompetenz behaupten.

Was sind derzeit die größten Herausforderungen für den deutschen und europäischen Textilmaschinenbau? Ist diese Industrie gut für die Zukunft aufgestellt?

Unser europäischer Textilmaschinenbau bleibt trotz aller Internationalisierung gut aufgestellt. Solange es uns gelingt, junge Leute für eine qualifizierte Ausbildung zu gewinnen, sie zu fördern und in eigener, erlernter Fachkompetenz ins Kundengespräch zu führen, können wir auch weiterhin erfolgreich sein.

Das Interview wurde von Mechthild Maas, Redakteurin TextileTechnology.net mit Rolf Ramisch, Ramisch Kalander Consulting, Krefeld, geführt.

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