Interview mit Kim Scholze, Sympatex : Wie kön...
Interview mit Kim Scholze, Sympatex

Wie können wir den Kreislauf schließen?

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Kim Scholze (Source: Sympatex)
Kim Scholze (Source: Sympatex)

Die Textilindustrie gilt heute als einer der größten industriellen Umweltverschmutzer und ist für 10 % der weltweiten Kohlenstoffemissionen verantwortlich. Nur 12 % aller neuen Textilfasern werden derzeit recycelt. Im März 2022 hat die Europäische Kommission ihren "Circular Economy Action Plan" veröffentlicht. Sympatex verspricht bis 2030 den Kreislauf zu schließen und wird funktionelle Textilien aus recycelten und recycelbaren Monomaterialien herstellen. Gebrauchte Textilien sollen in neue, hochwertige Funktionstextilien umgewandelt werden.

Ab 2025 sollen Altkleider und andere Textilien in ganz Europa getrennt gesammelt werden, um Wiederverwertung und Recycling zu erleichtern. Können Sie uns schon Ideen nennen, wie dieser Plan bei Sympatex angegangen und umgesetzt werden soll?
Sympatex hat die Novellierung des Kreislaufwirtschaftsgesetztes intensiv mitverfolgt und arbeitet in diversen Gremien, um das Thema voranzutreiben. Bereits 2017 hat Sympatex die Agenda gesetzt, die Portfolios auf kreislauffähige Monomaterialien auszurichten, um so eine getrennte Sammlung zu ermöglichen. Für die Bereiche Outdoortextilien und Arbeitsbekleidung sind wir zu 95% umgestellt. Die restlichen 5% werden über verschiedene Ansätze in Forschungsprojekten erarbeitet, wie z.B. die Entwicklung von Polyesterfasern, die so robust wie Polyamide sind; chemische Recyclingversuche, in den verschiedene Fasermaterialien hochwertig und emissionsarm recycelt werden können oder neue Produktionsprozesse, um eine Sortenreinheit überhaupt erst zu ermöglichen. Ein Beispiel hierfür ist unsere Utmospheric-Technologie. Hier wird das Schuhinnenfutter tiefgezogen, anstatt es 2D zuzuschneiden und dann mit nicht recyclingfähigem Tape wasserdicht zu bekommen.

Welchen Einfluss haben die europäischen Regelungen für nachhaltige Textilien auf die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Textil- und Bekleidungsunternehmen?
In der EU hergestellte, aber auch importierte Waren müssen den Regelungen entsprechen. Mittel- bis langfristig wird sich die EU so hoffentlich allein aus f2f-Materialien bedienen können.

EU-Textilerzeugnisse sind langlebig und recycelbar, erschwinglich bis zu einem großen Umfang aus recycelten Fasern, frei von gefährlichen Stoffen und unter Berücksichtigung der sozialen Rechte und der Umwelt produziert. Gleichzeitig gilt im Wettbewerb: Fast Fashion ist "out of fashion" und wirtschaftlich profitable Wiederverwendung und Reparaturdienste sind weit verbreitet. Produzenten übernehmen Verantwortung für ihre Produkte entlang der Wertschöpfungskette, auch wenn sie zu Abfall werden. Das Ökosystem der zirkulären Textilien floriert, angetrieben von ausreichenden Kapazitäten für innovatives Faser-zu-Faser-Recycling, während die Verbrennung und Deponierung von Textilien wird auf ein Minimum reduziert.


Können Sie uns erklären, wie Sympatex die Kreislaufwirtschaft bis 2030 erreichen will? Was ist neu und anders an den Materialien und Technologien in ihren Produktionsprozessen?
100 Mrd. Kleidungsstücke und 23 Mrd. jährlich produzierte Paar Schuhe, stehen für Sympatex‘s zukünftige Rohstoffquelle, am Ende ihres Lebenszyklus. Indem die gesamte Branche im Bereich synthetischer Materialien auf recycelfähige, aus Polyester bestehende Produkte umstellt, nutzen wir die Abfälle unserer Industrie zur Herstellung neuer hochfunktionaler Produkte. Neu und weit über dem Standard ist, dass Sympatex Funktionstextilien aus recycelten und recycelbaren Monomaterialien herstellt. Sympatex wird in Zukunft keine neuen Materialien aus der Ölindustrie mehr verwenden. Stattdessen werden gebrauchte Textilien in neue, hochwertige Funktionstextilien verwandelt. Dementsprechend besteht das 2-lagige, polyesterbasierte Funktionstextil Banff zu 100 % aus recycelten Textilien.

Wie können wir die Menge der zu recycelnden Textilien erhöhen? Was sind die größten Herausforderungen für das Recycling von Textilien?
Wir müssen unsere Produktdesigner und Produktentwickler schulen und im Austausch mit den Sammlern, Sortierern und Recyclingunternehmen direkt kommunizieren, was Design2Recycle wirklich bedeutet. Aufgrund der Dynamik und kontinuierlichen Weiterentwicklung von Recyclingprozessen wird der Begriff ‚Design2Recycle‘ sich inhaltlich stetig verändern. Heutzutage können wir mit Sicherheit sagen polyesterbasierte Monomaterialien lassen sich technisch, wirtschaftlich attraktiv und mit verhältnismäßig geringen Emissionen gut recyceln. Somit konterkariert es nicht unsere Klimaziele.

Wenn die Designer/ Entwickler in Abstimmung mit den Recyclern gestalten, dann lösen wir 5 große Herausforderungen auf einmal:

  • Müllberge werden zu Rohstoffen,
  • die Verfügbarkeit von recycelten Fasern wird gesichert,
  • damit einhergehend werden sich die Preise stabilisieren,
  • der weitaus größte Teil des Mikroplastikaustrags passiert am Lebensende des Produkts. Dies würden wir durch Recycling verhindern,
  • die Verbrennung von Bekleidung verursacht zusätzliche Emissionen, auch diese würden eingespart.

Gleichzeitig sehen wir den Trend, dass Firmen mit ihrer Produktion Richtung Europa zurückgehen. Die Lieferzeiten und -kosten sowie weiterhin unsichere pandemische Lage wird ein kurz- bis mittelfristiges Umdenken erfordern. Auch diese Entwicklung würde dem Aufbau einer europäischen textilen Infrastruktur zu Gute kommen.

Welche Rolle nimmt die Industrie bei der Umsetzung einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft ein, und welche Rolle spielt der Verbraucher?
Neueste Studien zeigen - die Verbraucher sind bereit für Secondhand Bekleidung. Der Online-Handel und die Marken sind bereit und teils bereits mit eigenen POS-Konzepten erfolgreich. Damit macht die Industrie den Weg frei für Kreislaufwirtschaft und löst das Schmuddelimage gebrauchter Bekleidung aus den Köpfen der Gesellschaft.

Das Interview führte Mechthild Maas, Redakteurin TextileTechnology.net, mit Kim Scholze, Chief Sustainable Community Manager bei Sympatex Technologies GmbH, Unterföhring.


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