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Interview mit Dr. Wolfgang Anton Schumann, SCTI Chairman

Den Wandel in der Textilindustrie angehen

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Dr. Wolfgang Anton Schumann (Source: STCI)
Dr. Wolfgang Anton Schumann (Source: STCI)

bluesign technologies und die Alliance führender Chemieunternehmen Sustainable Chemistry for the Textile Industry (SCTI) haben sich zusammengetan, um einen Index für nachhaltige Chemie zu entwickeln, der einen Standard-Kommunikationsleitfaden für Chemielieferanten, Hersteller, Marken und NGOs bieten soll.

Der erste Index dieser Art soll einen Wandel in der Branche vorantreiben. Können Sie uns erläutern, worum es beim Index für nachhaltige Chemie geht?
Die Textil- und Bekleidungsindustrie hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht, daher ist es nun an der Zeit, dass noch mehr Unternehmen über aktuelle Vorschriften und freiwillige Standards hinausgehen.

Das bluesign-System beinhaltet bereits eine ganzheitliche Sichtweise, indem es verlangt, dass Chemikalien bestimmte Kriterien in Bezug auf Umweltfreundlichkeit, Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz sowie Produktverantwortung erfüllen müssen. Der neue Index für nachhaltige Chemie wird sogar noch weiter gehen und Kreislaufwirtschaft, Treibhausgasemissionen, Rohstoffbeschaffung, nachgelagerte Nutzung sowie ökologische, soziale und Governance-Ziele (ESG) einbeziehen.

Der Index für nachhaltige Chemie wird eine klare Bewertung für jeden Stoff liefern und so die Branche auf dem Weg in eine sauberere, sicherere und nachhaltigere Zukunft unterstützen.               

Wie kam es zu dieser Partnerschaft mit bluesign?
Der SCTI arbeitet seit einigen Jahren an der Entwicklung eines globalen Nachhaltigkeitsstandards für Textilchemikalien. Während die Idee Gestalt annahm, wurde uns klar, dass es am besten wäre, den Standard als unabhängiges Instrument bereitzustellen. Als unabhängiger Anbieter chemischer Lösungen und anerkannter Nachhaltigkeitsführer war bluesign der ideale Partner, um den Index zu verwirklichen.

Welches Ziel wird mit dem Index für nachhaltige Chemie verfolgt?
Mit dem Index für nachhaltige Chemie möchten wir den Wandel in der Textilindustrie vorantreiben, indem wir Marken und Einzelhändlern sowie deren Produktionspartnern eine professionelle, wissenschaftlich fundierte Suchmaschine zur Verfügung stellen, die es ihnen ermöglicht, fundiertere Entscheidungen bei der Auswahl nachhaltiger Chemikalien zu treffen und letztendlich nachhaltigere Artikel zu produzieren – bei gleichzeitiger Minimierung der Umweltauswirkungen.

Welches sind die größten Herausforderungen für die Textilchemiebranche angesichts von Pandemie und Krieg in Europa?
Die Textilbranche hatte ebenso wie viele andere Industrien unter der Unterbrechung der globalen Lieferketten sowie steigenden Rohstoffkosten und Energiepreisen zu leiden. Wir sehen, dass sich der Schwerpunkt immer mehr auf heimische Märkte verlagert und dass Marken zunehmend auf Nearshoring und Reshoring setzen und ihre Beschaffungsbasis diversifizieren wollen. Gleichzeitig hat durch die Pandemie die Nachhaltigkeit von Unternehmen und Umwelt weiter an Bedeutung gewonnen.

Wie weit sind wir auf dem Weg zu einer nachhaltigen Textilbranche in Europa bereits gekommen? Gibt es eine Art Zeitplan dafür, wann und wie die europäische Textilindustrie sauber, sicher und klimaneutral sein wird (ohne Klimakompensation)?
Nachhaltigkeit ist ein ganzheitliches Konzept – es geht darum, den gesamten Lebenszyklus von Textilprodukten zu betrachten und die positiven Auswirkungen auf Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft zu verstärken. Nachhaltige Chemikalien leisten dabei einen wichtigen Beitrag und wir haben bereits große Fortschritte erzielt. Initiativen wie bluesign und SCTI ermöglichen den Wandel, aber es gibt noch so viel zu tun. Die Verfügbarkeit eines einzigen und einheitlichen Branchenstandards für Nachhaltigkeit wird dabei helfen, dass es für die Unternehmen einfacher wird, Gutes zu tun.

Wie sehen Sie die Rolle der Industrie und welche Rolle spielen die Verbraucher?
Die Verbraucher sind heute viel umweltbewusster. Sie möchten nicht nur wissen, was in den Produkten ist, sondern auch detaillierte Angaben dazu, woher die Marke ihre Materialien bezieht, wie das Produkt hergestellt wird, welche Werte für den Produktionsprozess gelten und so weiter.

Für Fabriken und Marken, die Marktanteile erobern wollen, bedeutet das, dass sie jetzt bessere Produkte zu besseren Preisen und mit geringeren Umweltauswirkungen herstellen müssen. Den Chemieunternehmen kommt eine wichtige Rolle bei der Entwicklung innovativer Lösungen zu, die dies ermöglichen. Wir müssen also weiterhin in Forschung und Entwicklung investieren und zusammenarbeiten und gleichzeitig sicherstellen, dass unser geistiges Eigentum geschützt wird – und dabei hilft uns der Index für nachhaltige Chemie.

bluesign = eingetragenes Markenzeichen

SCTI = Markenzeichen

Über SCTI
Sustainable Chemistry for the Textile Industry (SCTI™) wurde im Oktober 2020 gegründet und ist ein Zusammenschluss führender Chemieunternehmen, die sich zum Ziel gesetzt haben, die Textil- und Lederindustrie zu befähigen, nachhaltige, hochmoderne Chemielösungen anzuwenden, die Fabrikarbeiter, lokale Gemeinden, Verbraucher und die Umwelt schützen. Der Verband hat 7 Gründungsmitglieder: Archroma, CHT Group, Huntsman, Kyung-In Synthetic Corporation (KISCO), Pulcra Chemicals, Rudolf Group und Tanatex Chemicals.

Das Interview führte Mechthild Maas, Redakteurin bei TextileTechnology, mit Dr. Wolfgang Anton Schumann, Chairman der Sustainable Chemistry for the Textile Industry (SCTI) und Geschäftsführer der Rudolf GmbH, Geretsried.

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