Technische Textilien 3/2023: Index23-Nachscha...
Technische Textilien 3/2023

Index23-Nachschau

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Dr.-Ing. Tim Höhnemann (Quelle: DITF)
Dr.-Ing. Tim Höhnemann (Quelle: DITF)

Im April 2023 kam die Vliesstoff-Gemeinschaft auf der Index23 erneut für eine Woche in Genf zusammen und reiht sich nun wieder in den gewohnten 3-jährigen Veranstaltungsturnus ein. Laut Veranstalter waren 12.000 Teilnehmer sowie 610 Aussteller aus 43 Ländern präsent; die Ausstellungsfläche war nahezu ausgebucht. Insgesamt war gegenüber der pandemiebedingt verschobenen Index20 im Herbst 2021 eine deutlich erhöhte Gesprächsfrequenz spürbar.

Ein persönlicher Austausch mit bestehenden Kontakten war dabei ebenso willkommen wie die potenzielle Anbahnung neuer Geschäftsbeziehungen, sowohl für Industrie als auch Forschung. Der General Manager der EDANA, Murat Dogru, fasste dies treffend zusammen: „Wir sind hier, um Geschäfte zu machen, aber die Nonwovens-Industrie hat mir gezeigt, dass unsere Lieferkette auch eine große Familie ist“.
Die Ausstellung wurde von einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet: Produktpräsentationen einer Vielzahl von Ausstellern, eine Reihe informativer Seminare, das Index Lab und auch die Ernennung der Gewinner des Index Innovation Award in 5 Kategorien. Die Themenschwerpunkte sowohl im Rahmenprogramm als auch auf den Messeständen waren dabei gewohnt breitgefächert. Atemschutzmasken waren nicht mehr das dominierende Thema zugunsten eines Schwerpunkts auf Hygiene, gepaart mit einer gemeinsam spürbaren Tendenz zur Nachhaltigkeit. Letztere wurde nicht nur mit verschiedenen, häufig grün-braun geprägten Standfarben hervorgehoben, sondern spiegelte sich in einer Vielzahl an präsentierten Neuentwicklungen/Highlights der Aussteller wie auch in den Anfragen der Besucher wider. Hierzu zählten z.B. Themen wie Entwicklung nachhaltiger Rohstoffe (Polymerhersteller), verringerter Bedarf an Prozessenergie (Maschinenbauer), verbesserte Produkteigenschaften bei gleichbleibendem Rohstoffeinsatz oder ggf. Substitution der Rohstoffe durch nachhaltige Alternativen (Produkthersteller).

Bei den vielfach gebrauchten Schlagwörtern biobasiert, bioabbaubar und recycelt stellten sich immer wieder Fragen zur tatsächlichen Nachhaltigkeit:

• Kelheim Fibres, Sandler und Pelz Group bringen gemeinsam eine plastikfreie Slipeinlage auf Viskose-Basis auf den Markt, TWE ein viskosebasiertes Supersoft-Backsheet.

• Sandler präsentierte ein 1-Polymer-Formvlies (100 % Polyester, davon 80 % recycelt), das nicht nur besonders gut zu recyclen sein soll, sondern sich auch durch hohe Formstabilität und anpassbare akustische Eigenschaften auszeichnet.

• Thrace stellte mit der Initiative „In The Loop“ ein Kreislaufmodell vor, das alle Beteiligten der Wertschöpfungskette einbezieht, um Rohstoffe kontrolliert wiederzuverwerten.

• Polymateria und Indorama beanspruchen den Weg der Biotransformation durch ein Polyolefin, das binnen 3–5 Monaten zu einem bioverfügbaren Wachs degradiert.

• Ein anderes Beispiel der Rohstoff-Weiterentwicklung gibt es seitens des Polymerherstellers NatureWorks, der die neue PLA Type 6500D vorstellte und hiermit eine spürbar erhöhte Weichheit im Produkt nachweisen kann.

• Haptik über Messung der Rauigkeit, Elastizität und Härte quantitativ zugänglich zu machen, steht auf der Agenda der Messgeräteentwickler von Emtec Electronics. Der Tissue Softness Analyzer wurde um einen Crumble-Test-Kopf erweitert.

• Im Bereich Messtechnik erreicht Palas in der Filtrationseffizienzprüfung durch den entwickelten „full flow sensor“ den Zugang zu gering(st)en Konzentrationen von 200 Partikeln/cm3.

• Auch im Bereich Ausrüstung-Veredlung-Anwendungstechnik wurden diverse Neuerungen präsentiert. U.a. wurden von Herrmann Ultraschall 2 interessante Entwicklungen zum Verzicht auf Zusatzkomponenten gezeigt, die Lösungen in Hygenieanwendungen liefern: eine Fixierung elastischer Fäden ohne Kleber sowie die direkte Formgebung des Materials zum vollständigen Klettverschluss (hook-forming).

• Der Anlagenbauer Oerlikon Nonwoven fokussierte seine Innovationen ebenfalls auf den Hygienebereich, wenngleich die sog. Phantom-Technologie – eine innovative Coform-Technologie zur Herstellung von Wischtüchern, z.B. Feuchttüchern aus Pulp und Polymerfasern – primär ökologische sowie Leistungs- und Kostenvorteile avisiert. Zudem warb Oerlikon für seine Hydrocharging-Lösung hycuTec ebenfalls unter dem Aspekt der Einsparungspotenziale.

• Das Thema Weichheit stand beim Anlagenhersteller Reicofil im Fokus. Dieser stellte seine neue Fertigungsplattform RF5 XHL vor. Der Zusatz XHL steht dabei für Extra High Loft und ist auf superweiche und perfekt drapierbare Vliesstoffe für die Hygieneindustrie ausgerichtet.

• Dilo kündigte mit der Micro-Punch-Technologie die Möglichkeit zur Vernadelung feiner Fasern und eine hohe Ressourceneffizienz unter Vermeidung des Einsatzes von Wasser im Vergleich zum üblichen Wasserstrahlverfahren an.

In Bezug auf Innovationen und Highlights seitens des Maschinenbaus wurde deutlich: Die ITMA, die weltweit größte Textilmaschinenbaumesse, steht im Juni 2023 in Mailand/Italien vor der Tür. Hier werden die großen Neuerungen und Innovationen der Technologien vorgestellt. „Die Index ist für uns eine Vorbereitungsplattform für die ITMA, wo wir unsere neuen Highlights erstmals vollständig präsentieren“, bringt es Johann-Phillip Dilo, Geschäftsführer der DiloGroup, auf den Punkt.
Dr.-Ing. Tim Höhnemann
Kompetenzzentrum
Chemiefasern und Vliesstoffe,
Deutsche Institute für Textil- und Faserforschung (DITF) e.V.,
Denkendorf



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