melliand Textilberichte 6/2022

European Textile Journal melliand Textilberichte Dezember 2022 D 5862 E 6 ON W LINE E ARE Unser digitales Zuhause textiletechnology.net

Alles unter einem Dach: TextileTechnology– Ihre Dachmarke für Fachinformationen aus aller Welt rund um die Themen der Textilindustrie Print und online, jeweils speziell für die Teilmärkte in bewährter Qualität: Chemical Fibers International, Technische Textilien / Technical Textiles, melliand Textilberichte / melliand International, nonwovensTrends undTextileTechnology.net Gemeinsam mit der weltweiten Textilindustrie in eine interessante und globale Zukunft Ihr TextileTechnology-Team TextileTechnology · Deutscher Fachverlag GmbH Mainzer Landstr. 251 60326 Frankfurt amMain +49 69 7595-2563 www.textiletechnology.net

melliand Textilberichte 6/2022 197 MEINUNG „Was steckt da wirklich drin?“ Diese Frage stellten sich Journalisten der Wochenzeitung „Die Zeit“ beim Anblick des Trikots der deutschen Fußballnationalmannschaft und veröffentlichten im Dossier der Ausgabe vom 24. November 2022 ihre Antworten. Leider ging es nicht um die naheliegende Frage, welches sportliche Talent in dem Shirt steckt, nein, es ging darum, welche Fasern für das Trikot verwendet, aus welchen Rohstoffen wiederum die Fasern erzeugt und wie diese Rohstoffe gewonnen wurden. Ferner wurde betrachtet, was die Gebrauchs- und Pflegephase noch zum Vorschein bringt. Trotz starker Bemühungen des Herstellers um Nachhaltigkeit durch den Einsatz von recyceltem Polyester aus nichttextilen PostConsumer-Abfällen bleibt in diesem Dossier nur ein beschämender Nachhall: unklare Lieferketten, intransparente Altstoffströme, keine Sicherheit bei der Einhaltung der Forderungen der International Labour Organisation in Bezug auf Arbeitsbedingungen oder Kinderarbeit, Überproduktion und schließlich faseriges Mikroplastik. Die EU-Strategie für nachhaltige Textilien, veröffentlicht im März dieses Jahres, soll genau diesen Missständen durch neue Design-Guidelines mit zahlreichen Kriterien und einer erweiterten Herstellerverantwortung (extended producer responsibility, EPR) Einhalt gebieten. Konkrete Vorgaben zum Einsatz von Recyclingfasern in Textilien oder auch bezüglich eines recyclinggerechten Designs sind zu erwarten. Die Diskussion umfasst ebenfalls mögliche Regelungen zur Kostenbeteiligung der Hersteller und Inverkehrbringer von textilen Produkten an der Sammlung, Sortierung und Verwertung von Textilien. Die Umsetzung der (noch nicht definierten) Kriterien der Design-Guidelines wird allerdings nicht einfach sein, denn ein großer Teil der in der EU konsumierten Textilprodukte wird außerhalb der EU erzeugt, die dafür erforderlichen Ressourcen werden nur zu 20 % innerhalb der EU verbraucht. Die Design-Guidelines müssen somit global angegangen werden. Neu ist an diesen Guidelines bei genauer Betrachtung übrigens nicht so viel. Langlebigkeit, Reparierbarkeit, nachhaltige Rohstoffe, Ressourceneffizienz und Emissionsminderung, beste verfügbare Technologie oder faire Arbeitsbedingungen sind keine Erfindungen des Green Deals oder des Jahres 2022. Unsere Branche hat ihre Herausforderungen und Schwierigkeiten über lange Zeit aus Preisgründen aber vielfach einfach geografisch verlagert, aber nicht gemeistert. Während auf dem Gebiet der technischen Textilien dem Preisdruck durch Innovationskraft erfolgreich begegnet wurde, gab die Bekleidungsbranche die Verantwortung und damit auch häufig das tiefe Verständnis für die Lieferkette von der Faser bis zum Produkt einschließlich aller Hilfsprozesse und der Logistik nach und nach aus der Hand. Mit Beginn der wirtschaftlichen Reformen in China Ende der 1970er-Jahre und dem damit verbundenen Globalisierungsschub gab es auch ausreichend Möglichkeiten, Innovationen auszuweichen. Dieses Ausweichen holt nun alle ein. Unsere Branche, die in Bezug auf den Verbrauch an Primärrohstoffen innerhalb der EU an 4. Stelle nach den Sektoren Ernährung, Wohnraum und Verkehr und im Hinblick auf die Treibhausgasemissionen laut der European Environment Agency an fünfter Stelle steht, sollte ihre Probleme endlich angehen. Die Aachen -Dresden-Denkendorf International Textile Conference lieferte Anfang Dezember 2022 unter dem Motto „Textile Impulse für die Zukunft“ hierzu zahlreiche Lösungsvorschläge: Mechanisches oder chemisches Faserreycling, Robotik, künstliche Intelligenz, biobasierte Funktionalisierung oder nachhaltige Faserstoffe wurden erläutert. Ein Schlüsselwort der Tagung war Technologietransfer. Auf der Tagung demonstrierten die deutschen und zahlreiche europäische Hochschulen umfangreiches Wissen und eine ausgeprägte Bereitschaft, sich an der Lösung der Aufgaben der Textil- und Bekleidungswirtschaft mit vielen jungen, gut ausgebildeten und hoch motivierten Fachleuten zu beteiligen. Dieses Potenzial sollte unbedingt und aktiv genutzt werden. Ein starkes Beispiel für den Technologietransfer ist auch das in Aachen diskutierte Projekt Textilfabrik 7.0, das vom Verband der Rheinischen Textil- und Bekleidungsindustrie (VBU) e.V., Wuppertal, und dem Verband der Nordwestdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie e.V., Münster, im engen Schulterschluss mit dem Institut für Textiltechnik der RWTH Aachen (ITA), Aachen, der Hochschule Niederrhein, Mönchengladbach, und der Stadt Mönchengladbach geplant wird. Das Ziel ist, sich der nachhaltigen und wirtschaftlich erfolgreichen Textil- und Bekleidungswirtschaft durch Defossilisierung der Produktion, Zero Emission, Automatisierung, Biotechnologie für neue Rohstoffe und nicht zuletzt On-Demand-Fertigung und Near Sourcing Schritt für Schritt anzunähern. Nachhaltigkeit, die positiv nachhallt – mit vereinten Kräften wird es gelingen! Was steckt da wirklich drin? Nachhaltigkeit oder Nachhall? Prof. Dr.-Ing. Maike Rabe Leiterin Forschungsinstitut für Textil und Bekleidung Hochschule Niederrhein Mönchengladbach

INHALT 198 melliand Textilberichte 6/2022 Meinung 197 Was steckt da wirklich drin? Nachhaltigkeit oder Nachhall? M. Rabe Textilwirtschaft 200, 206 Firmennews (Advansa, Andritz, Aurich, Lenzing, The Lycra Company) 201 Entwicklung von Fasern aus recycelten Kunststoffen (DITF) 201 Biobasierte Technologie für guten Allwetterschutz (Polartec) 202 Energiekrise trifft auch die Textilforschung (STFI) 202 Neues Labor für Leder- und Schuhwaren (Hohenstein Institute) 204 Neuer Standard zur Implementierung von Sorgfaltspflichten(Oeko-Tex) 200, 214 Partnerschaften (KI-Start-up Sizekick/ Hohenstein Institute, HeiQ/The Lycra Company) 6 melliand Textilberichte European Textile Journal Dezember 2022 Jahrgang 103 205, 206 Umsatz und Ergebnisentwicklungen (Oerlikon, Rieter, VDMA TFL) 206, 207 Jubiläen (IFWS, Texo Trade Services) Fasern/Garne 208 Neue pflanzliche Fasern aus den Rückständen von Nutzpflanzen am Beispiel von Lavendel J. Sarsour, I. Hildermann, S. Zikeli et al. 210 Rückverfolgbarkeit für andalusische Baumwolle — vom Saatgut bis zum Kleidungsstück T. Herzog 211 Erneuerbare Füllstoffe auf Cellulose-Basis für die Gummiproduktion (Empa/Dätwyler Schweiz) 211 Komplett recyclebarer Autoteppich aus einem Material (Autoneum)

melliand Textilberichte 6/2022 199 INHALT 212 Kaffeesatz als Rohstoff für Polsterstoffe (Continental) Maschenindustrie 215 Ist die Wirkerei umweltfreundlicher als die Weberei? (Karl Mayer) Textilveredlung 214 Vom Kunststoffabfall zum ausgerüsteten Textil (CHT) 216 Nachhaltigere Kaschierlösungen auf Basis von biobasierten Schmelzklebstoffen M. Unkauf Textilindustrie 217 Post-Consumer-Kunststoffe — vom Joghurtbecher zum hochwertigen Textil S. Lukoschek, C. Callhoff et al. 218 Drahtlose Heizfolie für Smart Textiles (Ansmann) 219 Der Stoff, aus dem künstlicher Gehirne sind (FH Bielefeld) 220 Faserabfälle ermöglichen Rückführung metallhaltiger, staubförmiger Produktionsrückstände M. Pelzer, S. Preiss et al. 221 Konzept für technische Netze (Brückner) 222 Digitales Instandhaltungsmanagement A. Rueda 224 Datenbasiertes Qualitätsmanagement — Qualität ist gut, Modellierung ist besser R. Kins et al. Statement 226 5 Thesen zum Textilrecycling, die der Korrektur bedürfen S. Schlichter 202, 206, 212, 214 Management 225 Kalender 225 Firmenverzeichnis / Impressum

TEXTILWIRTSCHAFT 200 melliand Textilberichte 6/2022 Lenzing Programm zur Reorganisation und Kostensenkung Auch die Lenzing-Gruppe war in den ersten 3 Quartalen 2022 wie die gesamte verarbeitende Industrie zunehmend von den extremen Entwicklungen an den globalen Energie- und Rohstoffmärkten betroffen. Insbesondere im Verlauf des dritten Quartals verschlechterte sich das Marktumfeld stark und das sich eintrübende Konsumklima belastete die Geschäftsentwicklung von Lenzing zusätzlich. Von Januar bis September 2022 konnte die Lenzing AG, Lenzing/Österreich, primär aufgrund höherer Faserpreise den Umsatz um 24 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 1,97 Mrd. € steigern. Das Betriebsergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) ging um 11,6 % auf 263 Mill. € zurück. Das Periodenergebnis ging um 33,9 % auf 74,9 Mill. € zurück. Vor dem Hintergrund der Ergebnisentwicklung und des deutlich verschlechterten Marktumfelds hat der Lenzing-Vorstand ein Programm zur Reorganisation und Kostensenkung aufgesetzt. Das Programm ist bereits in Umsetzung und soll nach vollständiger Implementierung mindestens 70 Mill. €/Jahr an Kosten einsparen. Ausblick Der Krieg in der Ukraine, Chinas Zero-Covid-Politik und die stark gestiegene Inflation haben die Weltwirtschaft deutlich beeinträchtigt. Der Internationale Währungsfonds senkte seine Wachstumserwartungen für das laufende Kalenderjahr im Juli auf 3,2 %. Dieses verschlechterte Marktumfeld belastet zunehmend auch das Konsumklima sowie die Stimmung in den für Lenzing relevanten Industrien. Infolgedessen gingen die Geschäftsaussichten im 3. Quartal deutlich zurück. Angesichts dieser verschlechterten Entwicklung des Marktumfelds setzte Lenzing die Prognose für die Ergebnisentwicklung im Geschäftsjahr 2022 am 19. September 2022 aus. Die Lenzing-Gruppe erwartet, dass sich das Ergebnis für das Geschäftsjahr 2022 im Bereich der aktuellen Markterwartung bewegen wird. Advansa Insolvenzantrag gestellt Am 26. Oktober 2022 hat der Polyesterhersteller Advansa Manufacturing GmbH, Hamm, einen Insolvenzantrag gestellt. Besonders aufgrund der angestiegenen Energiepreise ist es derzeit sehr schwer, Polyesterfasern an diesem Standort wirtschaftlich zu produzieren. Die Produktion in Hamm-Uentrop soll jedoch nicht zum Erliegen kommen. Die Auftragsbücher sind nach wie vor gefüllt, und über das Insolvenzgeld sind für die nächsten 3 Monate die Löhne der rund 100 Mitarbeiter gesichert. In den letzten 10 Monaten war die Produktion von Polyesterfasern bereits von 2000 t/Monat auf 1000 t/Monat zurückgegangen. Über eine Restrukturierung des Unternehmens erhofft man sich nun den Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze. Bereits im Frühjahr 2020 hat Advansa Manufacturing ein Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung erfolgreich durchgeführt. Aurich Eigenverwaltung zur Restrukturierung Aufgrund der gegenwärtigen wirtschaftlichen Herausforderungen wird sich Aurich Textilien umfassend restrukturieren. Dafür hat die Geschäftsführung am 14. Oktober 2022 beim zuständigen Amtsgericht in Köln für die 5 Gesellschaften Anträge auf Eröffnung eines Eigenverwaltungsverfahrens gestellt. Die Aurich-Textilien-Gruppe, Radevormwald, nutzt dabei die geltenden gesetzlichen Möglichkeiten, um die zur Restrukturierung und Sanierung erforderlichen Maßnahmen gezielt in eigener Verantwortung zu erarbeiten und kurzfristig umzusetzen. Durch die nun vorliegende gerichtliche Anordnung verbleibt die Leitung des Unternehmens auch weiterhin in den Händen der Geschäftsführung. Sie bleibt umfassend weisungs- und handlungsbefugt. In der Eigenverwaltung wird der Geschäftsbetrieb der Unternehmensgruppe vollumfänglich fortgeführt. Die folgenden 5 Unternehmen befinden sich im vorläufigen Eigenverwaltungsverfahren: Gebr. Aurich GmbH, Awitech Aurich GmbH, FutureTex GmbH, AVI GmbH und TexRa GmbH. Seit 1967 stellt Aurich technische Textilien für verschiedene Einsatzzwecke her und ist heute einer der größten europäischen Produzenten von Fahnenstoffen sowie technischen Gewirken und Geweben. In 4 Produktionsbetrieben in Radevormwald unterhält die Gruppe einen modernen Maschinenpark. 2021 wurde ein Umsatz von etwa 20 Mill. € erwirtschaftet. Im Juli 2020 kam mit Jacqueline Krause und Christopher Aurich die 3. Generation in die Geschäftsführung, wodurch der Generationenwechsel eingeleitet wurde. The Lycra Company Net-Zero-Ziel bis 2050 The Lycra Company hat ein Nachhaltigkeits-Update inklusive der Ziele und Verpflichtungen bis 2030 veröffentlicht. Das Planet-Agenda-Update ist nach dem 2008 eingeführten Nachhaltigkeitsrahmenkonzept von The Lycra Company, Wilmington, DE/USA, benannt. Es basiert auf 3 Säulen, die alle geschäftlichen Aspekte abdecken: Unternehmensverantwortung, Produktnachhaltigkeit und Fertigungsqualität. Die in diesen Dokumenten dargelegten Nachhaltigkeitsziele sind auf diese Säulen ausgerichtet, enthalten die Zielvorgaben für 2030 und stellen die Ausgangsperformance von 2021 bereit. In diesem Update wird auch dargelegt, wie die Nachhaltigkeitsziele des Unternehmens mit 5 der Ziele des United Nations Sustainable Development Goals (SDGs) übereinstimmen, zudem wird über die bisherigen Fortschritte bei der Erreichung der Ziele berichtet.

Weitere News: www.textiletechnology.net melliand Textilberichte 6/2022 201 TEXTILWIRTSCHAFT Texo Trade Services 25-jähriges Jubiläum und neuer Standort in Waddinxveen 1997 gründete Jan van den Heuvel Texo Trade Services (TTS) als Vertriebsunternehmen für Siebdruck-Transferpapier. Unter dem Nachfolger Floris Jan van den Heuvel entwickeltet sich TTS zu einem europäischen Marktführer für bedruckbare Textilien, Sublimationspapier, Kalander-Schutzpapier und Textilprodukte für die Bekleidungs-, visuelle Kommunikations-, Einrichtungs- und Sportindustrie. Heute betreut Texo Trade Services BV, Moordrecht/Niederlande, zusammen mit den Niederlassungen in Deutschland, Frankreich, England und Italien Kunden in mehr als 60 Ländern. Auch der Handel mit Kalandern und Textildruckern trägt zum Erfolg bei. TTS ist beispielsweise seit 2009 exklusiver Händler für die Kalander und Pressen von Monti Antonio SpA, Thiene/Italien, sowie inzwischen auch für die Textildrucker von Mimaki (Japan) und HP Inc. (USA). Im Oktober 2022 wurde eine zweite niederländische Niederlassung in Waddinxveen eröffnet. Auch das Thema Nachhaltigkeit spielt in der Unternehmenspolitik von TTS eine wichtige Rolle. Nicht nur der Hauptsitz und das Lager sind völlig energieneutral, sondern auch das Produktangebot: Das gesamte Sortiment ist PVC-frei. Für jede Anwendung bietet TTS recycelte Produkte aus (GRS-zertifizierten) Post-ConsumerAbfällen. DITF Entwicklung von Fasern aus recycelten Kunststoffen Ein umfassendes und geschlossenes Recyclingsystem für Plastikabfälle soll von einem Konsortium aus 16 öffentlichen und privatwirtschaftlichen Organisationen unter dem Namen ‚WhiteCycle‘ etabliert werden. Die Deutschen Institute für Textilund Faserforschung Denkendorf (DITF) sind Teil dieses Konsortiums und werden ihren Beitrag mit einem neuen Syntheseverfahren zur Verarbeitung von recycelten Kunststoffen leisten. Unter Leitung der Michelin Group, Clermont-Ferrand/Frankreich, konstituierte sich das Konsortium ‚WhiteCycle‘ Anfang Juli 2022. Ziel der europäischen Initiative ist es, einen Wirtschaftskreislauf zu etablieren, um inhomogene Textilabfälle aus verschiedenen Materialien aufzubereiten und daraus neue, hochwertige Produkte herzustellen. Dieses Vorhaben soll dazu beitragen, die von der Europäischen Union gesteckten Ziele bei der Reduktion von CO2-Emissionen bis zum Jahr 2030 zu erreichen. Komplex aufgebaute, textilhaltige PETAbfälle wie Reifen, Schläuche oder mehrlagige Verbundtextilien aus dem Bekleidungsbereich sind bisher schwer oder gar nicht recycelbar. Unter dem WhiteCycleNetzwerk werden mehrere Projekte und Forschungsansätze zusammengeführt, die sich des Problems annehmen und neue Lösungsansätze liefern sollen. Die DITF werden ein bestehendes PETSyntheseverfahren an neuartige recycelte Monomere anpassen. Das grundsätzliche Problem, das dabei bewältigt werden muss, besteht in den Verunreinigungen im Ausgangsmaterial, bedingt durch die inhomogene Zusammensetzung. Gemeinsam mit dem Projektpartner Kordsa Teknik Tekstil A.S., Izmir/Türkei, entwickeln die DITF neue Syntheserezepte. Sie haben zum Ziel, mögliche Nachteile abzustellen, die durch verbleibende Verunreinigung der Monomere zustande kommen. Denn trotz einer Reinigung der Monomere vor deren Weiterverarbeitung können nicht alle Verunreinigungen entfernt werden. Die weiteren Konsortialpartner verfolgen andere Ansätze, um eine verbesserte Recyclingrate und hochwertigere r-PET-Produkte zu erzeugen: Optimierte Sortiertechnologien für die sortenreine Trennung von Abfällen gehören ebenso dazu wie eine enzymbasierte Behandlung von Kunststoffen, um sie auf nachhaltigem Weg in Monomere aufzuspalten. Letztlich wird auch die hochqualitative Fertigung neuer Produkte aus den recycelten Kunststoffen dazu beitragen, den Rohstoffkreislauf zu schließen. Polartec Biobasierte Technologie für guten Allwetterschutz Polartec ist bestrebt, Alternativen zu erdölbasierten Produkten auf den Markt zu bringen und gleichzeitig die Effizienz sowie die Leistungsstärke von Materialien zu verbessern. Die neue innovative monolithische Membran Polartec Power Shield von Polartec LLC, ein Unternehmen der Milliken & Company, beide Spartanburg, SC/USA, wird aus einer Kombination von pflanzlichen und PFAS-freien Materialien hergestellt. Das Material bietet eine Kombination aus Wasserfestigkeit, Winddichte, langanhaltender Atmungsaktivität, hoher Beständigkeit und angenehmen Stretch. Polartec Power Shield wurde für eine große Bandbreite von Einsatzgebieten konstruiert. Die Einführung ist der nächste Schritt auf demWeg hin zu einem vollständigen Umstieg auf PFAS-freie Alternativen – über alle Stoffkategorien hinweg. Das Polartec Power Shield ist ein wasserfestes Textil, das im Hydrostatic Pressure Test für Wasserdichte mit mehr als 20.000 mmWassersäule abschneidet. Der MVTR-Wert (Moisture Vapour Transmission Rate), also der Wert für die Wasserdampfdurchlässigkeit/Atmungsaktivität, liegt bei 20.000 g/m2/24h. Die neu entwickelte Membran ist mit einer großen Bandbreite von Oberstoffen kombinierbar: von geschmeidigem Stretch über kugelfeste Gewebe bis hin zu reißfesten und hochelastischen Strickstoffen.

202 melliand Textilberichte 6/2022 TEXTILWIRTSCHAFT Am 16. Oktober 2022 ist Prof. Dr. Ulrich Liebscher im Alter von 93 Jahren verstorben. Im Jahre 1957 wurde er mit der Gründung und Leitung der zentralen Forschungs- und Entwicklungsstelle der Bastfaserindustrie in Dresden beauftragt, dem späteren Wissenschaftlich-Technischen Zentrum Technische Textilien und Institut für Technische Textilien und übernahm die technische Leitung beim Aufbau eines Werks in Fehrbellin. 1960 erfolgte die Berufung zum Dozenten und 1964 zum Professor. Im Jahre 1965 wurde Prof. Liebscher mit der Leitung des Instituts für Textilmaschinenkonstruktion und Technologie der Faserstoffe an der TH Chemnitz betraut. 1983 erhielt er die Ehrendoktorwürde für Arbeiten auf dem Gebiet der elektrostatischen Beflockung. Nach 1990 setzte sich Prof. Liebscher für den personellen Neuaufbau an der TU Chemnitz ein. Gleichzeitig gründete er 1958 die Zeitschrift Technische Textilien, die anfangs als „Mitteilungen für die Bastfaserindustrie“ verbreitet wurde. Seit der Gründung der Zeitschrift war er über 30 Jahre als Herausgeber tätig. Seit 1991 erscheint die Fachzeitschrift im Deutschen Fachverlag, Frankfurt/M., heute als TECHNISCHE TEXTILIEN / TECHNICAL TEXTILES. Der Aufsichtsrat der adidas AG hat über die Nachfolge für den adidas-Vorstandsvorsitzenden Kasper Rorstedentschieden: Zum 1. Januar 2023 wird Bjørn GuldenMitglied des Vorstands und Vorstandsvorsitzender der adidas AG, Herzogenaurach. Kasper Rorsted schied zum 11. November 2022 aus dem Unternehmen aus. Er hat in seiner Amtszeit seit 2016 das Unternehmen strategisch neu ausgerichtet und die digitale Transformation des Unternehmens vorangetrieben. Gulden leitet seit 2013 den Vorstand der Puma SE, Herzogenaurach. Von 19921999 war er u.a. als Senior Vice President of Apparel and Accessories bei adidas. Weitere berufliche Stationen waren Vorstandsvorsitzender bei Pandora (Dänemark), Geschäftsführer von Deichmann (Deutschland), President von Rack Room Shoes (USA) sowie verschiedene Managementpositionen bei der Outdoormarke Helly Hansen (Norwegen). Er ist zudem Aufsichtsratsvorsitzender der Salling Gruppe (Dänemark). STFI Energiekrise trifft auch die Textilforschung Eingeschränkte Rohstoffverfügbarkeit, die Energiekrise und schwierige Rahmenbedingungen brachten die deutsche Textilindustrie 2022 in eine schwere Krise. Davon ist auch die gemeinnützige Textilforschung betroffen. Umdie prekäre Lage zu verdeutlichen, sucht das STFI derzeit den Dialog mit örtlichen Politikvertretern. Am 28. Oktober 2022 besuchten Bernhard Herrmann, MdB, und Gerhard Liebscher, MdL Sachsen, von Bündnis 90/Die Grünen das Sächsische Textilforschungsinstitut e.V. (STFI), Chemnitz, um sich über die die Lage der Textilforschung zu informieren. Als eine anwendungsorientierte Forschungseinrichtung finanziert sich das STFI durch öffentlich finanzierte Forschungsprojekte sowie durch Auftragsforschung bzw. Rahmenverträge mit der Industrie direkt. Belasten die Energiekosten die Industriepartner nun derart immens, wie es derzeit der Fall ist, bleibt dort kein Budget für Investitionen in Innovationen übrig. Am STFI geschieht die industrielle Forschung darüber hinaus häufig auf Laboranlagen, die den Dimensionen von Industrieanlagen ähneln, entsprechend hoch ist der Energie- und Materialdurchsatz. Einher gehen die von der Energiekrise verursachten Probleme zudem mit einer ganzen Reihe förderpolitischer Unwägbarkeiten. Förderprogramme, wie ZIM, lagen aufgrund der langwierigen Regierungsbildung und Fertigstellung des neuen Haushaltsgesetzes lange auf Eis. Die Richtlinie für INNO-KOM- und IGF-Projekte läuft offiziell zum Jahresende aus, wobei die IGFFörderung bis Ende 2023 wie bisher weiterläuft. Zudem sind die Programme teils unterfinanziert. Das Besserstellungsverbot stellt des Weiteren eine massive und vor allem unterschätzte Bedrohung der freien Forschungseinrichtungen dar. Im Gegensatz zu grundfinanzierten Einrichtungen, die gemäß Wissenschaftsfreiheitsgesetz übertariflich entlohnen dürfen, ist dies den freien Forschungseinrichtungen untersagt. Dadurch entsteht zum einen eine Lücke in der Bezahlung der Forscher, zum anderen werden Förderanträge aktuell nur eingeschränkt bewilligt, weil in einzelnen Positionen über Tarif gezahlt wird. Derzeit wurde die Übergangsfrist für die Einhaltung des Besserstellungsverbotes bis zum 31. März 2023 für das STFI verlängert. Sollten sich keine tragfähigen Lösungen finden, droht den freien Industrieforschungseinrichtungen in Deutschland bald das Aus. Dieser Fakt und das Ausmaß waren den beiden Politikern in dieser Form nicht bekannt. Die Diskussion, auch in den politischen Gremien und Ausschüssen, trägt hoffentlich zu einer zeitnahen Lösung bei. Hohenstein Institute Neues Labor für Leder- und Schuhwaren in Indien Im Rahmen der Global Sustainability Conference von Hohenstein India in Gurugam/Indien, fand am 11. November 2022 die feierliche Einweihung eines neuen Labors für Leder- und Schuhwaren statt. Unter dem Motto „Local by Global” war die Agenda der Global Sustainability Conference speziell auf die Bedürfnisse der indischen Textilindustrie zugeschnitten. Bei Rundgängen konnten sich die Besucher von künftigen Arbeitsschwerpunkten vor Ort persönlich ein Bild machen: Schadstoffprüfungen gemäß der Leather Standard RSL und die anschließende Zertifizierung von Leder- und Schuhwaren nach dem Oeko-Tex Leather Standard gewährleisten künftig für Marken, Einzelhändler und Lieferanten ein geringeres Marktrisiko und für Verbraucher umfassende und verlässliche Sicherheit. Mit Hauptsitz in Bönnigheim ist die Hohenstein Textile Testing Institute GmbH & Co. KG mit über 75 Jahren Erfahrung und etwa 1.000 Beschäftigten in den Laborstandorten, Niederlassungen und Kontaktbüros weltweit ein international agierender Prüfdienstleister.

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