melliand Textilberichte 5/2022

Solutions to spin recycled yarns. saurer.com European Textile Journal melliand Textilberichte Oktober 2022 D 5862 E 5 ON W LINE E ARE Unser digitales Zuhause textiletechnology.net

Für weitere Informationen: www.oerlikon.com/polymer-processing Innovation beginnt mit Kreativität “Seit uber 100 Jahren inspirieren wir die globale Chemiefaserindustrie immer wieder aufs Neue durch disruptive und nachhaltige Innovationen.” Georg Stausberg CEO, Oerlikon Polymer Processing Solutions Als Pionier der Chemiefaserindustrie im Jahre 1922 gestartet, stets orientiert an den Leitsternen Innovation und Technologieführerschaft in einem globalen Marktumfeld – das sind wir, die heutige Oerlikon Barmag. Starker unternehmerischer Wille und unbändige Kreativität haben uns geprägt. Wir sind stolz auf all unsere Beschäftigen weltweit. Die kreative Nutzung ihres Erfahrungs- und Wissenspotenzials in enger Zusammenarbeit mit leistungsstarken Partnern, Lieferanten und Dienstleistern ist unser Schlüssel für nachhaltigen Erfolg. Wir setzen auf enge Kooperation mit unseren Kunden und bieten ihnen marktnahe Innovationen und Services. Diese basieren auf fachübergreifender und teamorientierter Entwicklungsarbeit sowie hochqualitativen Produktionsverfahren. In Zukunft werden wir auch weiterhin etablierte Prozesse immer wieder neu in Frage stellen und konventionelle Verfahren und Denkmuster aufbrechen. Denn Innovation beginnt mit Kreativität. Und diese fördern wir aktiv mit einer multikulturellen und offenen Unternehmenskultur.

melliand Textilberichte 5/2022 169 MEINUNG Der Fokus unserer deutschen und europäischen Kunden richtet sich aktuell stark auf die Energiekosten, da diese in den vergangenen Wochen so extrem wie noch nie gestiegen sind. Hinzu kommt die nicht unerhebliche Herausforderung von Energieengpässen und damit die Sorge, dass es zu einer allgemeinen Deindustrialisierung in Deutschland kommen könnte, womöglich sogar zu einem Exodus der europäischen Textilindustrie. Doch wie gehen wir als Bürger, als verantwortliche Unternehmer und als Teil dieser Industrie damit um? Nun kommt zwar ein Gaspreisdeckel, um die Auswirkungen auf Privathaushalte wie auch auf Unternehmen im Rahmen zu halten. Im Vergleich zu anderen Produktionsländern liegen die Kosten für Primärenergie weit über internationalen Benchmarks, hinzu kommen deutlich höhere Lohnkosten. Beides führt dazu, dass die Gestehungskosten für textile Produkte in Europa deutlich höher liegen als in Asien, Südamerika oder der Türkei. Allerdings sind die Logistikkosten aus diesen Ländern nach Europa auch stark gestiegen. Zudem bedeutet ein hoher Aufwand für Logistik immer auch einen hohen CO2-Verbrauch – und auch den gilt es in Zeiten des Green Deals zu reduzieren. Als Maschinenbauer wissen wir aber, dass speziell die deutschen Textilhersteller in den letzten Jahren viel getan haben, um ihre Prozesse zu optimieren, speziell den Energieeinsatz zu reduzieren. Wir registrieren großes Interesse, bestehende Maschinen auf Elektroheizung umzubauen und in Wärmerückgewinnungen oder in andere Formen der Energieeinsparung zu investieren. Das ist auf Dauer nicht nur eine Kostenersparnis, sondern auch eine Möglichkeit den CO2-Fußabdruck zu reduzieren, sobald grüner Strom verfügbar ist. Bei fast allen bestehenden Anlagen ist so ein Umbau nach Vorprüfung möglich. Die meisten Anlagen können dann als Hybrid-Maschinen weiterarbeiten, d.h. sie nutzen wie bisher Gas/Öl/Dampf und können alternativ oder zur Unterstützung mit Strom beheizt werden. Hinsichtlich der Gestehungskosten ist es immer schwierig, die erhöhten Kosten vollständig an die Endkunden weiterzugeben, aber zumindest Teile der erhöhten Kosten sollten weitergegeben werden. Dazu sollten sich alle Textilproduzenten bekennen, denn auch Produzenten aus dem außereuropäischen Ausland haben gestiegene Kosten durch Transport, teurere Rohmaterialien oder sonstige gestiegene Produktionskosten. Im Gegenzug dazu hat die europäische Industrie aufgrund der Nähe zu ihren Kunden deutlich geringere Transportkosten und verbraucht weniger CO2. Aber auch die großen Marken sind gefordert diese Mehrkosten zu akzeptieren, damit sie auch zukünftig zuverlässige Lieferanten und Entwicklungspartner haben! Als Mittelständler sind wir es gewohnt, langfristig zu denken, die starken Auftragsschwankungen der Textilindustrie sind für die meisten Hersteller von Maschinen, aber auch für unsere Kunden keine große Überraschung. Wir arbeiten mit unseren Kunden partnerschaftlich, denn neben den Kosten geht es ja immer auch um Erfahrung und Fachwissen, welches wir unseren Kunden bzw. diese ihren Kunden und Endabnehmern bieten. Dieses Know-how lässt sich in der Regel nicht kurzfristig in andere Märkte und an andere Produktionsstandorte verlagern. Als Partner unserer Kunden bieten wir vermehrt technologische Beratung, um die Prozesse in der Veredlung zu optimieren und insbesondere die Kosten zu reduzieren. Allerdings empfehlen wir dringend, diese Optimierung übergreifend vorzunehmen, denn viel zu oft wird noch zu kleinteilig gedacht. Übergreifende Optimierungsansätze werden nur zögerlich begonnen, da die Sorge besteht, dann einige Prozesse neu zertifizieren zu müssen. Aber wann, wenn nicht jetzt, bietet sich die Chance für neue Methoden, alternative Prozesse und neue Rezepturen? Oft müssen auch die regulatorischen Vorschriften angepasst werden, gerade jetzt, wo sich die Rahmenbedingungen täglich ändern. Gegenüber politischen Entscheidungsgremien müssen wir aus unternehmerischer Sicht vor allem auf folgende Punkte hinweisen: - Die Genehmigungsverfahren für neue Anlagen & Umbauten müssen verkürzt und vereinfacht werden. Die produzierende Industrie ist speziell in Deutschland, aber auch in anderen EU-Ländern ein Garant für gute und sichere Arbeitsplätze. Die Bürger in D und der EU können jedoch nicht von Dienstleistungen alleine leben. Sowohl der deutsche Maschinenbau also auch die Textilindustrie sind weltweit Vorreiter hinsichtlich Energieeffizienz & Innovation. Diesen Status müssen wir auch zukünftig erhalten. - Die von der EU proklamierte Textile Strategy ist wegweisend, sie muss jedoch von allen eingehalten werden, europäischen Herstellern und Importeuren. Ziel ist es, die Textilproduktion weltweit nachhaltiger, sauberer und effizienter zu gestalten, daran müssen wir alle im Sinne nachfolgender Generationen arbeiten. Die Textilindustrie ist eine seit Jahren wachsende Industrie, bedingt durch die steigende Anzahl der Menschen und den steigenden Wohlstand. In der EU basiert das Wachstum der Vergangenheit v.a. auf neuen Anwendungsgebieten, speziell im Bereich technischer Textilien. Textil ist leichter und günstiger wie viele andere Materialien, ohne Textil wäre unser Leben weniger bunt, weniger behaglich, weniger komfortabel und deutlich lauter. Wir sollten also die Vorteile des Werkstoffes nutzen und wertschätzen, selbst wenn die Kosten dafür leicht steigen. Vor allem aber benötigen wir auch in Zukunft Ausbildung, Forschung und Arbeitsplätze im Bereich der Textilproduktion in Deutschland und Europa! Wir sehen der Zukunft der Textilproduktion positiv entgegen und freuen uns auf neue Ideen und Entwicklungen, die wir mit unseren Kunden angehen können – gerade jetzt !!! Die Energiekrise und ihre Auswirkungen auf unsere Industrie Regina Brückner & Axel Pieper Geschäftsführung Brückner Trockentechnik GmbH & Co. KG Leonberg

INHALT 170 melliand Textilberichte 5/2022 Meinung 169 Die Energiekrise und ihre Auswirkungen auf unsere Industry R. Brückner, A. Pieper Textilwirtschaft 172 Ergebnisprognose für 2022 ausgesetzt (Lenzing) 172, 176, 177, 178 Jubiläen (Bremer Baumwollbörse, Delius, HB Protective Wear, OETI, TVU) 172, 177 Firmennews (Cordenka, Freudenberg Performance Materials) 173 Lenzing Young Scientist Award für faire und nachhaltige Textilien 174 Übernahmen, JV und Partnerschaften (STFI/SENAI/ISI B&F, The Lycra Company/Qore) 174 Konjunkturklima bei Textil (textil+mode) 5 melliand Textilberichte European Textile Journal Oktober 2022 Jahrgang 103 175 Informationen zu Messen/Tagungen/ Konferenzen (Int. Kongress der IFKT, Dornbirn GFC) 176 Niedrige Grenzwerte für Fluorcarbon (Südwesttextil) 178 Ausbildung im Texoversum startet bald 179 Neue Professur für künstliche Intelligenz an der ZHAW 179 Kann der Digitaldruck die Textilproduktion verändern? (HS Niederrhein) Fasern/Garne 180 IR-markierte Näh- und Stickgarne zum Schutz vor Produktpiraterie K. Schäfer, V. Yavuz, P. Kreis et al.

melliand Textilberichte 5/2022 171 INHALT Garnherstellung 184 Streckenleistung optimieren (Rieter) 185 Gebäudevollüberwachung mit zuverlässiger Wägetechnik F. Riva, M. Brown Weberei 186 3D-Webtechnik für die additive Herstellung keramischer Preforms S. Grosch, F. Ficker Textilveredlung 190 Herausforderungen der Kurz- und Ultrakurzflottentechnologie in der modernen Ausziehfärberei K.-D. Maurer Textilindustrie 189 Effiziente Bodenbeläge für angenehme Wärme (Object Carpet) 192 Machine Learning und dezentrale Produktionsnetzwerke zur nachhaltigen Textilproduktion K. Müller 194 Nominierung für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis (Dibella) 194 Produktinformationsmanagement-Lösung zur umfassenden Vernetzung (Lectra) 194 Performance Days: Materialinnovationen können auch online gesichtet werden 196 Herausforderungen durch Traceability und Rohstoffqualität (International Cotton Conference) 175, 177, 179 Management 195 Kalender 195 Firmenverzeichnis 195 Impressum

TEXTILWIRTSCHAFT 172 melliand Textilberichte 5/2022 Lenzing Ergebnisprognose für 2022 ausgesetzt Der weitere Verlauf des Geschäftsjahrs kann aufgrund der äußerst geringen Visibilität auf der Nachfrageseite sowie der hohen Volatilität an den globalen Energieund Rohstoffmärkten nur bedingt eingeschätzt werden. Der Cellulosefaserhersteller Lenzing AG, Lenzing/Österreich, setzt die Prognose für die Ergebnisentwicklung im Geschäftsjahr 2022 angesichts der verschlechterten Entwicklung des Marktumfelds im laufenden Quartal aus. Der Krieg in der Ukraine, Chinas Zero-Covid-Politik sowie der deutliche Anstieg der Inflation haben die Weltwirtschaft deutlich beeinträchtigt. Dadurch werden auch das Konsumklima sowie die Stimmung in den für Lenzing relevanten Industrien negativ beeinträchtigt. Infolgedessen gehen die Geschäftsaussichten laut aktuellen Erhebungen noch einmal deutlich zurück. Basierend auf aktuellen Annahmen bei den Energie- und Rohstoffkosten sieht Lenzing auch das Erreichen der mittelfristigen Prognose für 2024 gefährdet. Lenzing sieht sich in Anbetracht der aktuellen Verwerfungen an den Energie- und Rohstoffmärkten und ihrer Auswirkungen auf das Verbraucherverhalten in der langfristigen Unternehmensstrategie bestärkt und wird das Spezialfaserwachstum sowie die Umsetzung der ambitionierten Klima- und Nachhaltigkeitsziele einschließlich der Transformation zu einemModell der Kreislaufwirtschaft weiter vorantreiben. Im 1. Halbjahr 2022 steigerte die Lenzing Gruppe den Umsatz um 25,2 % auf 1,29 Mrd. €. Die Ergebnisentwicklung spiegelt im Wesentlichen die Kostenentwicklung an den globalen Energie- und Rohstoffmärkten wider, von der die gesamte verarbeitende Industrie betroffen war. Die Energie-, Rohstoff- und Logistikkosten erhöhten sich im 1. Halbjahr 2022 noch einmal stark, nachdem die Kosten schon über das gesamte Geschäftsjahr 2021 stetig gestiegen waren. Das Betriebsergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) ging daher um 13,3 % auf 188,9 Mill. € zurück (H1/2021: 217,8 Mill. €). Die EBITDA-Marge verringerte sich im H1/2022 von 21,1 % auf 14,6 %. Dabei konnte der Fokus auf den Ausbau von Spezialfasern und auf dieMarken, die auf Innovation und nachhaltigem Handeln basieren, sowie die Maßnahmen zur strukturellen Ergebnisverbesserung in allen Regionen diesen negativen Effekt mindern. Cordenka Sanierung erfolgreich abgeschlossen Nachdem der Sanierungsplan von den Gläubigern des Herstellers von technischem Rayon Cordenka angenommen und vom Amtsgericht Aschaffenburg bestätigt wurde, endete das Sanierungsverfahren Ende September 2022. Die Cordenka GmbH &Co. KG, Obernburg, hatte für die Sanierung die Möglichkeiten eines Schutzschirmverfahrens genutzt und am 19. Januar 2022 einen entsprechenden Antrag beim zuständigen Amtsgericht gestellt. Zu den wirtschaftlichen Schwierigkeiten kam es aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie, der stark gestiegenen Energiekosten und der Abgaben für das EEG und CO2-Zertifikate, zudem die weltweiten Lieferkettenprobleme sowie die Rückgänge in der Automobilindustrie. Cordenka stellt die hochfeste Chemiefaser auf Cellulosebasis Cordenka Rayon her, die hauptsächlich als Verstärkungsmaterial in Hochleistungsreifen, mechanischen Gummiwaren und Verbundwerkstoffen eingesetzt wird. Als biobasierte und biologisch abbaubare Faser ist Rayon ein etablierter Werkstoff, der wichtige Eigenschaften für eine nachhaltige Zukunft aufweist. Das Unternehmen wurde 1924 gegründet und hat derzeit 620 Mitarbeiter. Neben dem Hauptsitz und der Garnproduktionsstätte in Obernburg befinden sich noch Veredlungsbetriebe in Mühlhausen und Gorzów/Polen. Zur Cordenka-Gruppe gehören u.a. die Cordenka GmbH & Co. KG, Cordenka Gorzów Sp. z o.o., die Cordus GmbH und die Cordenka Innovations GmbH. Bremer Baumwollbörse 150 Jahre Bremer Baumwollbörse Gleichzeitig mit den Feierlichkeiten zum 150. Geburtstag der Bremer Baumwollbörse fand am 29./30. September 2022 in Bremen unter dem Motto ‚Cotton Decoded‘ die International Cotton Conference statt. Weit über 400 Experten und Interessierte aus fast 40 Ländern diskutierten aktuelle Fragen rund um die Baumwolle in Bremen. Bei den Themen spielten Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft, Transparenz und Rückverfolgbarkeit eine besonders große Rolle. Es wurden Prozesse der Kreislaufwirtschaft vorgestellt, bei denen aktuelle Methoden des Textilrecyclings im Mittelpunkt standen. Die Tagung griff Fragen der Transparenz und Rückverfolgbarkeit innerhalb der Beschaffungskette auf und stellte effiziente, digital gesteuerte Kontrollmethoden z.B. mithilfe der von Distributed Ledger-Technologie vor. Mittels Isotopenanalytik könnte es bald möglich sein, den Ursprung einer vom Feld geernteten Baumwollfaser bis in ein fertiges Textil zurückzuverfolgen. Im Rahmen der Tagung wurde zudem im Bremer Übersee-Museum eine große Baumwollausstellung unter dem Titel „100 % Baumwolle“ zur Kulturgeschichte des Rohstoffs eröffnet. Bereits im Vorfeld der Tagung, am 26. September, trafen sich viele Besucher bei der Stakeholder-Konferenz von Cotton made in Africa (CmiA), die ebenfalls in Bremen abgehalten wurde. 1872 wurde die Bremer Baumwollbörse als „Komitee für den Baumwollhandel“ durch Baumwollhändler und Baumwollmakler (später kamen Banken, Reeder, Spediteure, Spinnereien und Versicherer dazu) gegründet. Die ursprüngliche Aufgabe war die Schiedsgerichtsfunktion. Dann folgte die eigentliche Börse, wo sich Käufer und Verkäufer im Terminmarkt trafen. Im Laufe der Zeit sind viele weitere Aufgaben dazugekommen. Da sich der Baumwollhandel weltweit im Laufe der 150 Jahre stark verändert hat, musste sich auch die Bremer Baumwollbörse anpassen. Die Kernaufgabe ist geblieben: Das Wichtigste ist auch heute noch die Überparteilichkeit und Unabhängigkeit.

TEXTILWIRTSCHAFT Automation and Vision Systems ELSMART Bahnführungssystem ƒ Präzise Bahnführung für Teppiche und technische Textilien ƒ Bahnmittenführung mit Breitbandsensoren ƒ Bahnkantenführung mit Infrarot- und Ultraschall- Kantensensor ƒ Wesentlich kompaktere Applikation als mit einem Drehrahmen Erhardt+Leimer GmbH · Albert-Leimer-Platz 1 · 86391 Stadtbergen · Deutschland · Tel.: +49 (0)821 2435-0 www.erhardt-leimer.com Lenzing Award für faire und nachhaltige Textilien verliehen Erstmals wurden junge Forscher mit dem Young Scientist Award von Lenzing für innovative Forschungsarbeiten aus dem Faser- und Textilbereich ausgezeichnet. Eine Jury aus Fachleuten der Faserindustrie und der Lenzing AG, Lenzing/Österreich, nominierte aus zahlreichen Bewerbungen die 3 Gewinner. Am 14. September 2022, dem Eröffnungstag des Dornbirn Global Fiber Congress (GFC) in Dornbirn/Österreich, wurde das Preisgeld von 5.000 € pro Gewinnerin verliehen. Dies sind die Gewinnerinnen des Young Scientist Award 2022 der Lenzing AG: Chanawan (Kao) Danpan und Irene Purasachit, Flower Matter, Berlin Als erfahrene Innovationsmanagerin und Kommunikatorin stammt Chanawan (Kao) Danpan ursprünglich aus Bangkok/ Thailand. Ihre Leidenschaft ist es, die Kluft zwischen der traditionellen Wirtschaft und der Kreislaufwirtschaft durch bereichsübergreifende Zusammenarbeit zu überbrücken. Flower Matter – Enable a circularity into the cut-flower industry through regenerative bio-based materials Flaux ist ein innovatives Textilmaterial, das aus Blumenabfällen hergestellt wird. Es ist das Ergebnis eines Forschungsprojekts mit dem Namen „Flower Matter“, das sich mit der nachhaltigen Aufwertung von Blumenabfällen beschäftigt. Die Forschung zu Flaux führte zu 2 weiteren akademischen Forschungsarbeiten im Rahmen zweier EU-Institutionen (Deutschland und Finnland) unter Design- und Managementgesichtspunkten. Annah-Ololade Sangosanya, Institute for Ad. Architecture of Catalonia, Barcelona/Spanien Nach ihrem Masterabschluss setzte sie ihr Studium an der Fabricademy fort, einer postgradualen Textil- und Technologieakademie (FabLab Barcelona), wo sie lernte, wie man neue Technologien, Biologie und digitale Fabrikation (3D-Design, Rapid Prototyping, Elektronik) für nachhaltiges Textildesign nutzt.Während ihres letzten Postgraduiertenprojekts schrieb sie ihre Diplomarbeit über den biologischen Abbau und das Recycling von Textilabfällen durch Myzel, das mit sehr geringen Mitteln und geringer Energie wächst. The Purhyphae Project: textile recycling using mycelium In diesem Projekt werden Möglichkeiten zur Herstellung flexibler Myzelmaterialien durch den biologischen Abbau verschiedener Kombinationen von Denim-Textilabfällen, synthetischen Textilabfällen, Lebensmittelabfällen und verbrauchtem Kaffeesatz untersucht. Das verwendete Myzel stammt von dem Pilz Pleurotus ostreatus (Auster). Die Ergebnisse zeigen, dass das Myzel von P. ostreatus (Auster) auf allen Kombinationen von Lebensmittelabfällen (Gemüseschalen und Kaffeesatz) mit Textilabfällen (synthetische Textilien und Denim-Textilien) und sogar nur auf Denim-Textilabfällen wächst. Petra Garajová, Fabricademy – Textile and Technology Academy, Nové Zámky/Slowakei Petra Garajová lotet derzeit die Grenzen von Materialwissenschaft, digitaler Fertigung und Innovation aus. Ihr Abschlussprojekt definiert einen neuen Wert von Wollabfällen und gestaltet die Position des Designers in der Materialinnovation neu. Dank dieser Gelegenheit ist sie nun Teil des europäischen Projekts Shemakes.eu als Botschafterin zwischen Fab Lab Barcelona und TextileLab Island und arbeitet am Projekt Lab to Lab – Rethinking Wool. States of Matter – Wool fibers and non-traditional methods Das Projekt untersucht die chemischen Eigenschaften von Wollabfällen und definiert einen neuen Wert von Wolle unter Verwendung aktueller Technologien und Design. Die Materialforschung konzentriert sich auf die Gewinnung von Keratin und die Verwendung nachhaltiger Chemikalien.

TEXTILWIRTSCHAFT 174 melliand Textilberichte 5/2022 The Lycra Company Partnerschaft für die Herstellung biologischer Elastanfasern Für die großtechnische Produktion von Elastan auf biologischer Basis unter Verwendung von Qira, dem 1,4-Butandiol (BDO) der nächsten Generation, als einem der Hauptbestandteile, hat The Lycra Company, Wilmington, DE/USA, eine Vereinbarung mit Qore LLC, South Bend, IN/USA, geschlossen. Dies soll dazu führen, dass jährlich 70 % der Lycra-Elastanfasern aus erneuerbaren Rohstoffen gewonnen werden. Diese Änderung wird den CO2-Fußabdruck der Lycra-Faser um bis zu 44 % gegenüber einem gleichwertigen Produkt aus fossilen Rohstoffen verringern (nach Schätzungen von Cradle-toGate Screening LCA, erstellt von Ramboll US Consulting, Inc.), wobei die Eigenschaften der herkömmlichen Faser unverändert bleiben. Qira wird auf dem Biotech-Campus in Eddyville, IA/USA, und der Maisraffinerie von Cargill Inc. in Wayzata, MN/USA, hergestellt. Die Anlage, die derzeit gebaut wird, soll 2024 in Betrieb genommen werden. Die erste mit Qira hergestellte erneuerbare Lycra-Faser soll 2024 am Standort Tuas/ Singapur von The Lycra Company produziert werden. Die erste Generation der erneuerbaren Lycra-Faser, die mit Qira hergestellt wird, wird Rohstoffe aus Industriemais, der von Landwirten in Iowa angebaut wird, enthalten. Eine gleichwertige Faserperformance konnte bereits 2014 demonstriert werden, als das weltweit erste biologisch hergestellte Elastan der Marke Lycra auf den Markt gebracht wurde. The Lycra Company hat inzwischen ein Patent für das Verfahren zur Herstellung von erneuerbarem Elastan aus biologisch gewonnenem BDO erhalten. STFI Kooperation mit brasilianischen Institutionen Zur Vertiefung der Zusammenarbeit in den Bereichen Forschung, Entwicklung und Innovation haben der brasilianische nationale Dienst für industrielle Ausbildung (SENAI), Brasilia, das SENAI-CETIQTInstitut für Innovation in Biosynthese und Fasern (ISI B&F), Rio de Janeiro/Brasilien, und das Sächsische Textilforschungsinstitut e.V. (STFI), Chemnitz, gemeinsam eine Absichtserklärung unterzeichnet. Im Fokus der gemeinsamen Arbeiten werden die Bereiche biobasierte Werkstoffe aus pflanzlichen Fasern und Abfällen der Agrarwirtschaft, digitale Fertigung, Industrie 4.0 und Oberflächenfunktionalisierung stehen. Im Rahmen einer Online-Veranstaltung haben die Kooperationspartner SENAI, ISI B&F und das STFI einem breiten Teilnehmerkreis von Vertretern brasilianischer Unternehmen und Forschungseinrichtungen ihre Forschungsschwerpunkte und technologischen Möglichkeiten vorgestellt. In den nächsten Wochen und Monaten sind weitere Workshops geplant, um die neuen Möglichkeiten zu Kooperation und Innovation den Textilunternehmen der Region vorzustellen. Gemeinsam mit den brasilianischen Kollegen sollen Ideen konkretisiert und in gemeinsame Kooperationsprojekte überführt werden. Durch die Arbeit der neuen SENAI-Innovationsinstitute (Institutos Senai de Inovação, ISI) soll eine Brücke zwischen wissenschaftlicher Forschung und den Bedürfnissen der brasilianischen Wirtschaft gebaut werden. Der Schwerpunkt liegt auf angewandter Forschung und Umsetzung. Ziel ist es, neue Produkte zu entwickeln und Lösungen zu schaffen, die auf die Bedürfnisse von Unternehmen zugeschnitten sind, und neue Geschäftsideen für StartUps zu generieren. Das SENAI-Institut für Innovation, Biosynthese und Fasern (ISI B&F) ist eines von 26 brasilianischen Forschungseinrichtungen, die seit 2012 durch den brasilianischen nationalen Dienst für industrielle Ausbildung (SENAI) entstanden sind. textil+mode Konjunkturklima bei Textil sinkt Im 1. Halbjahr 2022 stiegen die Umsätze in der deutschen Textil- und Bekleidungsindustrie um 14,0 % auf 8,58 Mrd. €. Dabei erreichte der Bereich Textil ein Umsatzplus von 8,6 % auf 5,63 Mrd. €, bei Bekleidung waren es +25,9 % auf 2,96 Mrd. €. Trotz der hohen Steigerungsraten konnte Bekleidung noch nicht an die Umsätze des Jahres 2019 aufschließen. Die Textilindustrie hat dies erreicht, jedoch stagnieren die Steigerungen beim Umsatz, insbesondere im Inland. In beiden Segmenten entwickelt sich das Auslandsgeschäft besser als das Inlandsgeschäft. Die inländische Produktion entwickelt sich in den Segmenten sehr unterschiedlich: Während der Produktionsindex in der Textilindustrie im 1. Halbjahr 2022 um 4,4 % gesunken ist, stiegen die Produktionswerte bei Bekleidung deutlich um 13,7 %. Allerdings liegen die Produktionsniveaus in beiden Segmenten weiterhin unter denen der Vor-Corona-Monate. Im Bereich Textil konnte das Segment Vliesstoffe mit +15,0 % auf 1,05 Mrd. € die größten Zuwächse verbuchen. Dies geht aus dem Konjunkturbericht des Gesamtverbands der deutschen Textilund Modeindustrie e.V. (textil+mode), Berlin, hervor. Das Konjunkturklima im August 2022 wurde von den Unternehmen der Textilund Bekleidungsindustrie sehr unterschiedlich bewertet. Besonders die Geschäftserwartungen bei den Bekleidungsunternehmen stiegen nochmals deutlich. Bei Textil verschlechterte sich das Klima noch weiter, insbesondere durch die stark steigenden Energiepreise. Damit kann sich die Textil- und Bekleidungsindustrie gegenüber der Industrie insgesamt behaupten, für die der ifo-Index bereits 3 Monate in Folge gesunken ist. Ob sich die Textil- und Bekleidungsindustrie allerdings dauerhaft gegen die drohende Rezession stemmen kann, bleibt abzuwarten.

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