melliand Textilberichte 4/2022

European Textile Journal melliand Textilberichte August 2022 D 5862 E 4 ON W LINE E ARE Unser digitales Zuhause textiletechnology.net Band- und Flechtindustrie mit

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melliand Textilberichte 4/2022 137 MEINUNG Obwohl die Gender Diversity in Kampagnen gefeiert wird und Marken am Internationalen Frauentag für die „Stärkung der Rolle der Frau“ werben, besteht in der Textilindustrie immer noch ein Defizit bei der Gleichstellung der Geschlechter, und zwar in der gesamten Lieferkette. Weltweit gibt es heute ca. 40-60 Millionen Textilarbeiterinnen und -arbeiter und weitere Millionen in anderen Teilen der Lieferkette, z.B. auf den Baumwollfeldern und im Einzelhandel. Die Mehrheit dieser Beschäftigten sind Frauen, die somit das Rückgrat der Branche bilden. Obwohl diese Aussage positiv klingt, ist sie es leider nicht. In den meisten Fällen erhalten die Arbeiterinnen in der Bekleidungsindustrie zu niedrige Löhne, um ein angemessenes Leben führen zu können. In den Produktionsbetrieben in Bangladesch liegen ihre Löhne z.B. 8 % unter denen der Männer. Sie sind zahllosen Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt und werden gezwungen, unbezahlte Überstunden unter unsicheren Arbeitsbedingungen zu leisten. Die Frauen, die unsere Kleidung herstellen, sind geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt, um zu überleben und ihre Familien zu ernähren. In den Fabriken wird ihnen oft das Recht auf Mutterschaftsurlaub oder Kinderbetreuung verweigert und sexueller Missbrauch und Belästigung am Arbeitsplatz sowie auf dem Weg zur Arbeit sind an der Tagesordnung. Für diese unsicheren Arbeitsbedingungen gibt es mehrere Gründe. Einer davon ist der sog. „Preisdruck“. Marken suchen oft nach den niedrigsten Preisen für die Produktion ihrer Kleidung. Die Eigentümer der Produktionsbetriebe wissen, dass die Markenunternehmen nach Alternativen, d.h. anderen Unternehmen, suchen würden, wenn sie den niedrigen Preis nicht akzeptieren. Gewerkschaften könnten Frauen eine Stimme geben, aber leider sind nur sehr wenige Arbeiterinnen gewerkschaftlich organisiert oder Teil eines gesellschaftlichen Dialogs, sodass es schwierig ist, ihre Grundrechte zu verteidigen. Und wenn es eine Gewerkschaft gibt, dann wird sie oft von Männern geleitet. Das bedeutet, dass Frauen kaum eine Chance haben, für sicherere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten in der Lieferkette zu sorgen, ihre Rechte zu schützen und bessere Arbeitnehmerleistungen auszuhandeln. Dies ist eine verpasste Chance für Unternehmen, denn wir alle kennen die positiven Auswirkungen von Vielfalt und Geschlechterparität am Arbeitsplatz: In einer Umfrage der ILO (2019d) bei Unternehmen, die die Auswirkungen der Geschlechtervielfalt in ihrem Management verfolgen, berichtete die Mehrheit, dass ihr Gewinn zwischen 5 und 20 % steigt. Speziell für den Bekleidungssektor ergab die Untersuchung, dass die von Frauen geführten Produktionslinien in den untersuchten Bekleidungsfabriken nach der Schulung eine durchschnittliche Produktivitätssteigerung von 22 % verzeichneten. Die geschlechtsspezifischen Ungleichheiten in der Textilindustrie spiegeln sich in den Management-Positionen wider. In dieser Branche sind nur wenige Frauen in Führungspositionen zu finden, obwohl Frauen jährlich fast 40 %mehr für Bekleidung ausgeben als Männer und 85 % der Absolventen der besten Modeschulen Frauen sind. Daraus resultiert, dass nur 14 % der 50 größten Modemarken von Frauen geführt werden. Leider sind die Zahlen sogar rückläufig: Die Zahl der weiblichen CEONewcomer ist im Vergleich zum Vorjahr um 39,3 % und im Vergleich zu 2019 um 23,3 % gesunken. Es ist jedoch wichtig, auch Frauen an der Spitze zu haben: Weibliche Führungskräfte verstehen die Bedürfnisse und Wünsche von Arbeitnehmern und Verbrauchern in der Regel besser als Männer, was sich nicht nur in besseren Arbeitsbedingungen und mehr Flexibilität niederschlagen könnte, sondern auch in einem verbesserten Kundennutzen, der immer wichtiger wird. Wenn wir die Industrie verändern und die Ziele der nachhaltigen Entwicklung (SDG) erreichen wollen, müssen wir anfangen, uns um die Gleichstellung der Geschlechter zu kümmern. Untersuchungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) der Vereinten Nationen und der Internationalen Finanz-Corporation (IFC) haben gezeigt, dass alle davon profitieren, wenn die Arbeitnehmer – Männer und Frauen – fair behandelt werden und menschenwürdige Arbeitsplätze haben: die Arbeitnehmer selbst, ihre Arbeitgeber, die Branche und die lokale und nationale Wirtschaft. Qualitativ hochwertige Arbeitsplätze sind ein Katalysator für das wirtschaftliche Empowerment von Frauen. Sie bieten auch sozialen Schutz und Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sowie ein Umfeld, das frei von Diskriminierung und Belästigung ist. Fehlen diese Bedingungen, wird der Zugang von Frauen zu angemessenen Arbeitsplätzen erschwert. Es ist an der Zeit, sich diesen Problemen zu stellen und die damit verbundenen Herausforderungen zu bewältigen. Wir brauchen einen zweigleisigen Ansatz: Regierungen, die konkrete Maßnahmen zur Bekämpfung der Ungleichheit ergreifen, und Unternehmen, die bereit sind, zu einem positiven Wandel beizutragen. Nur dann können wir vorankommen. Gender Gap in der Textil- und Bekleidungsindustrie Tatiana De Wée Consultant Prospex Institute vzw Brüssel/Belgien

INHALT 138 melliand Textilberichte 4/2022 Meinung 137 Gender Gap in der Textil- und Bekleidungsindustrie T. De Wée Textilwirtschaft 140, 144, 145 Umsatz und Ergebnisentwicklungen (Lenzing, Oerlikon, Rieter, Trevira) 140 The Lycra Company: Neuer Eigentümer 141 Rückschau Heimtextil/Techtextil/Texprocess 142 Maschenindustrie verzeichnet Ertragseinbrüche (Gesamtmasche) 142 Neue Zukunftsstudie Kreislaufwirtschaft (FKT) 142 Start des Swiss Textile Recycling Ecosystems (Worn Again) 143 Index für Nachhaltigkeitschemie (Bluesign/SCTI) 143 Eröffnung des Recycling Ateliers (ITA Augsburg) 4 melliand Textilberichte European Textile Journal August 2022 Jahrgang 103 144-146 Übernahmen, JV und Partnerschaften (Archroma/Huntsman Textile Effects, Karl Mayer/YTC-Produktpalette von Appalachian Electronic Instruments Inc.; HS Reutlingen/ BTE/LDT; Trützschler/Texnology) 145 Neue Pilotlinie für Textilrecycling in Finnland (Andritz) 145 Nachwuchsforscher mit Walter-ReinersPreis ausgezeichnet (VDMA) 146 Auszeichnung der besten Absolventen (HS Niederrhein) Fasern/Garne 148 Metallisierung von Polyimidmaterialien zur Anwendung in der Luft- und Raumfahrt T. Onggar, T. Tüfek et al.

melliand Textilberichte 4/2022 139 INHALT Textilveredlung 158 Statistische Analyse wichtiger Applikationseigenschaften von Reaktivfarbstoffen P. Catlow, C. Schumacher, M. Ferus-Comelo 161 Smart Colour Textiles — intelligente Textilien, die ihre Farbe ändern G. Mohr Textilindustrie 160 CTT: Textiltechnik als Schlüsseltechnologie der Zukunft 163 Gezielte Bauteilperformance durch Hybridisierung naturfaserverstärkter Biokomposite mit Basaltfasern L. Medina, A. Saleem Bekleidungsindustrie 166 Neue fotorealistische Avatare (Assyst) 166 70 Jahre Schutzbekleidung (HB Protective Wear) 166 Ressourcen und Kosten durch KI einsparen (Yoona.ai) Interview 168 Den Wandel in der Textilindustrie angehen W.A. Schumann 143, 144, 146, 153, 165 Management 167 Firmenverzeichnis / Impressum Garnherstellung 151 Ring- und Rotorspinnen recycelter Fasern: Herausforderungen und Empfehlungen M. Will Band- und Flechtindustrie 154 Magnetische Weichen für maximale Flexibilität — effiziente Fertigung geflochtener Gefäßimplantate K. Lehmann, M.O. Bräuner Maschenindustrie 157 High-Performance-Trikotmaschine ermöglicht neue Köperwaren für Lingerie- und Sportswear-Artikel (Karl Mayer)

TEXTILWIRTSCHAFT 140 melliand Textilberichte 4/2022 The Lycra Company Neuer Eigentümer Eine Gruppe institutioneller Investoren, bestehend aus Lindeman Asia, Lindeman Partners Asset Management, Tor Investment Management und China Everbright Limited (als neue Anteilseigner), hat die vollumfängliche Eigenkapitalkontrolle von The Lycra Company übernommen. Das derzeitige Management-Team von The Lycra Company führt das Geschäft auch unter den neuen Eigentümern weiter. Julien Born wird auch weiterhin als CEO tätig sein. Die Änderung der Eigenkapitalkontrolle folgt auf den Abschluss des Zwangsverwaltungsverfahrens, das im Februar 2022 begann, als die neuen Anteilseigner eine Vollstreckungsklage gegen Ruyi Textile and Fashion International Group Limited, die frühere Muttergesellschaft von The Lycra Company, wegen Kreditausfällen im Zusammenhang mit dem Kauf von The Lycra Company im Januar 2019 einleiteten. The Lycra Company, Wilmington, DE/USA, entwickelt und produziert Faser- und Technologie-Lösungen und Innovationen für die Bekleidungs- und Hygieneindustrie. Mit den neuen Eigentümern und der neuen Unternehmensführung wird sich das Unternehmen weiter darauf konzentrieren, die Umsetzung seiner Vision zu beschleunigen, einschließlich nachhaltiger Lösungen, die die Kreislaufwirtschaft fördern, strategischer Technologiepartnerschaften zur Entwicklung und Skalierung einer breiteren Palette innovativer Materialien und fortwährender Initiativen zur digitalen Transformation. Dies wird von den neuen Anteilseignern, die über eine Erfolgsbilanz bei der Finanzierung von und Investitionen in Unternehmen in Asien und weltweit verfügen und die mit allen Vorständen an Geschäftsstrategie und -prozessen zur Steigerung der langfristigen Wertschöpfung zusammenarbeiten, voll unterstützt. Die neuen Anteilseigner haben sich verpflichtet, The Lycra Company bei der weiteren Stärkung ihrer finanziellen Position zu unterstützen und ihr langfristiges Wachstum zu ermöglichen. Trevira Positiver Ausblick für 2022 Trotz der Herausforderungen im letzten Jahr konnte Trevira 2021 mit einem Gesamtumsatz von ca. 232 Mill. € die Erwartungen übertreffen. Insbesondere im Bereich Heimtextilien setzten sich die positiven Signale im Markt weiter fort. Das Geschäft mit der flammhemmenden Fasermarke Trevira CS belebte sich 2021 wieder. Dieser Bereich geriet 2020 vor allem durch die Lockdown-Maßnahmen für den Hotel- und Veranstaltungsbereich unter Druck. Gute Verbesserungen konnten in wichtigen Ländern wie Italien, Deutschland und Skandinavien erzielt werden. Die steigenden Kosten (insbesondere Energie, aber auch Rohstoffe, Chemikalien und Verpackung) stellten Trevira jedoch vor große Herausforderungen. Auch die ersten 5 Monate im Jahr 2022 verliefen gut. Es gibt große Entwicklungsaktivitäten rund um die neuen Trevira CSMarken. Der Trend zur Nachhaltigkeit hält weiter an, was sich auch in der Nachfrage nach der Marke Trevira CS eco widerspiegelt. Aber auch die UV-stabilen, spinngefärbten Filamentgarne, die speziell für den Outdoor-Bereich entwickelt wurden und neben der Schwerentflammbarkeit auch eine hohe Performance in puncto Lichtbeständigkeit und Reißfestigkeit aufweisen, werden stark nachgefragt, da nun auch der Kreuzfahrtschiffbereich nach 2 CovidJahren langsam wieder anläuft. Derzeit geht man beim Trevira CS-Geschäft für 2022 davon aus, dass die positiven Signale durch die Nachholeffekte aus der Zeit des Corona-Lockdowns von größerer Bedeutung sind als mögliche Downsides, die durch steigende Energieund Materialkosten und die daraus resultierende inflationäre Entwicklung verursacht werden. Lenzing Deutliches Umsatzplus und solides Ergebnis in H1/2022 Die Lenzing Gruppe steigerte den Umsatz im 1. Halbjahr (H1) 2022 vor allem aufgrund höherer Faserpreise um 25,2 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 1,29 Mrd. €. Die Ergebnisentwicklung spiegelt im Wesentlichen die Kostenentwicklung an den globalen Energie- und Rohstoffmärkten wider, von der die gesamte verarbeitende Industrie betroffen war. Die Energie-, Rohstoff- und Logistikkosten erhöhten sich im 1. Halbjahr 2022 noch einmal stark, nachdem die Kosten schon über das gesamte Geschäftsjahr 2021 stetig gestiegen waren. Das Betriebsergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) ging daher um 13,3 % auf 188,9 Mill. € zurück (H1/2021: 217,8 Mill. €). Die EBITDA-Marge verringerte sich im H1/2022 von 21,1 auf 14,6 %. Dabei konnte der Fokus auf den Ausbau von Spezialfasern und auf die Marken, die auf Innovation und nachhaltigem Handeln basieren, sowie die Maßnahmen zur strukturellen Ergebnisverbesserung in allen Regionen diesen negativen Effekt mindern. Im März 2022 wurde das neue, hochmoderne Lyocellwerk in Thailand eröffnet. Die Produktionsanlage, die mit einer Nennkapazität von 100.000 t/Jahr die größte ihrer Art ist, ging nach 2,5 Jahren Bauzeit und trotz der pandemiebedingten Herausforderungen planmäßig in Betrieb. Durch die erfolgreiche Umsetzung des Projekts kann die Lenzing AG, Lenzing/ Österreich, die wachsende Nachfrage der Kunden nach Lyocellfasern besser bedienen und damit die weltweite Textil- und Vliesstoffindustrie nachhaltiger gestalten. Julien Born, CEO of The Lycra Company

TEXTILWIRTSCHAFT Vom Rohstoff bis zum fertigen Textil - wir setzen Standards und unterstützen Marken, Einzelhändler und Hersteller dabei, ihre Ziele in Bezug auf Umwelt, soziale Verantwortung und Qualität zu erreichen. Für uns ist Nachhaltigkeit kein Trend, sondern eine Lebenseinstellung: testex.com Gemeinsam für eine bessere Zukunft. Techtextil/Texprocess/Heimtextil Die textile Welt traf sich wieder in Frankfurt und Objekttextilien, Heimtextil, die in diesem Jahr einmalig auf Wunsch der Branche im Sommer stattfand, gelang auch mit kleinerem Sommerangebot bereits jetzt wieder die Rückkehr auf die internationale Bühne. Die Besucher freuten sich, Heim- und Haustextilien – von Objekt-, Deko- und Möbelstoffen über funktionale Textilien bis hin zu Endprodukten für textile Einrichtung, textiles Design und Bettwaren – endlich wieder haptisch zu erleben und zu ordern. Der Fokus lag auch hier auf Nachhaltigkeit: Eine Vielzahl an Produkten – angefangen von Fasern aus PET-Flaschen, fairen Naturmaterialien bis hin zu textilen Produkten mit QR-Codes zur Nachverfolgung der gesamte Produktion – ermöglichte es Besuchern, Nachhaltigkeit ganzheitlich zu erleben. Die nächste Heimtextil findet vom 10.-13. Januar 2023 statt. Die nächste Techtextil und die nächste Texprocess finden vom 23.-26. April 2024 statt. Mit rund 63.000 Besuchern aus 117 Ländern und 2.300 Ausstellern fand vom 21.- 24. Juni 2022 in Frankfurt/M. der Re-Start der internationalen Textilmessen Techtextil, Texprocess und dem einmaligen Heimtextil Summer Special statt. Dabei bildeten Italien, Frankreich, die Türkei, Großbritannien, die Niederlande, Belgien, Spanien, Polen, die Schweiz, die Tschechische Republik, Portugal, Pakistan und die USA die größten Besuchernationen. Auf allen 3 Fachmessen war vor allem die positive Energie persönlicher globaler Begegnung zu spüren. Auf der Techtextil und Texprocess zogen sich nachhaltige Materialien und Verarbeitungstechnologien, Automatisierung und digitale Prozesse sowie Innovationen und Neuentwicklungen durch das Ausstellerangebot. Informationen und Anregungen lieferten unter anderem Konferenzformate wie das Techtextil- und Texprocess- Forum. Die Techtextil 2022 überzeugte mit Internationalität und Anwendervielfalt. Aussteller aus 12 Anwendungsbereichen und 11 Produktgruppen trafen auf ein breit gefächertes Angebotsinteresse der Besucher. Nachhaltige Unternehmen mit innovativen und nachhaltigen Fasern, Garnen und Geweben sowie neuen Verfahren, Schnitttechnologien, wasserschonenden Färbeverfahren oder innovativen Verarbeitungstechnologien wurden erneut im Rahmen von Sustainability@Techtextil und Sustainability@Texprocess, nach erfolgreicher Prüfung, durch eine unabhängige internationale Expertengruppe gekennzeichnet. Erstmals fanden Techtextil und Texprocess zusätzlich virtuell statt. In der Digital Extension präsentierten sich die Aussteller digital und verlängerten so ihren Auftritt auf der Messe. Bereits ab dem 13. Juni 2022 konnten Besucher viele Angebote der Digital Extension nutzen und ihren Messebesuch vorbereiten. Der internationalen Leitmesse für Wohn-

TEXTILWIRTSCHAFT Gesamtmasche Maschenindustrie verzeichnet Ertragseinbrüche Die Geschäftsklimaumfrage von Gesamtmasche für das 3. Quartal 2022 ergab einen drastischen Absturz der Geschäftserwartungen: Der Geschäftsklimaindex fällt mit -2,37 Indexpunkten in den Negativbereich, die Erträge sinken stark ab. Die Hersteller der deutschen Maschenindustrie stellen sich auf schwierige Zeiten ein. Die Hersteller fürchten vor allem um ihre Inlandsumsätze. Für die kommenden Monate rechnen ca. 40 % der Hersteller mit einem schlechteren Geschäft. Ein Drittel der befragten Unternehmen beklagt aktuell rückläufige Erträge. Bis zum Herbst erwarten sogar gut 52 % der Firmen weitere Ertragseinbrüche. Während derzeit noch ca. 85 % der Betriebe mit ihrer Kapazitätsauslastung zufrieden sind, rechnet ein Drittel mit einer Verschlechterung im nächsten Vierteljahr. Dies zeigt eine aktuelle Umfrage des Gesamtverbands der deutschen Maschenindustrie e.V. (Gesamtmasche), Stuttgart. FKT Neue Zukunftsstudie zur Kreislaufwirtschaft me in den kommenden Jahren lösen lassen. Wie bereits die im Jahr 2020 erschienene Zukunftsbroschüre „Perspektiven 2035“ des FKT überblickt die aktuelle Studie den Zeitraum bis zum Jahr 2035. Die Ergebnisse beruhen auf den Aussagen und Einschätzungen von Textilexperten und stellen nicht nur eine Bestandsanalyse dar. Zentrales Element der neuen Studie waren 4 große Workshops zum Thema Kreislaufwirtschaft, an denen insgesamt jeweils 50 Fachleute teilgenommen haben. Darin zeigte sich, dass die Branche aktuell noch eine Reihe von Hindernissen sieht, die die Entwicklung von Kreislaufprozessen erschweren. So sei noch offen, mit welchen Produkten und Services die Unternehmen in einer künftigen Kreislaufwirtschaft Geld verdienen können. Wie ist die Wertschöpfung organisiert? Welche Technologien werden entwickelt? Solche zentralen Fragen tauchten während der Workshops immer wieder auf. In der Broschüre werden die Herausforderungen und Hindernisse übersichtlich auf 3 Säulen aufgeteilt: Ökonomie, Ökologie und Gesellschaft. Zu viele Textilien landen aktuell im Abfall und auch ein Teil der Altkleider wird ins Ausland exportiert. Bislang kann nur ein kleiner Anteil hochwertig recycelt werden. Momentan fehlt es noch an Recyclingtechnologien, mit denen sich beispielsweise auch Mischgewebe auftrennen lassen. Hinzu kommen technische Textilien, für die es bislang ebenfalls an Recyclingverfahren fehlt. Ausgediente Carbonfaserverbundwerkstoffe etwa lassen sich heute ebenso wenig hochwertig recyceln wie Textilien aus Kraftfahrzeugen, die mit Kunststoffen und Schäumen verbunden wurden. Um die Abfallmengen zu reduzieren und insgesamt nachhaltiger zu produzieren, sollte es der Textilindustrie in den kommenden Jahren gelingen, eine umfassende Kreislaufwirtschaft aufzubauen, die alle Stufen der Wertschöpfungskette von der Gewinnung der Rohstoffe bis zur Wiederverwertung der textilen Produkte umfasst. Die Herausforderung besteht darin, dass sich die Textilindustrie wie kaum eine andere Branche über Dutzende von Prozessschritten und Wertschöpfungsstufen erstreckt. Mit welchen Maßnahmen sich trotz dieser Herausforderungen eine Kreislaufwirtschaft realisieren lässt, zeigt die Broschüre „Kreislaufwirtschaft – Textile Kreisläufe schließen, Zukunft gestalten“, die das Forschungskuratorium Textil (FKT), Berlin, zusammen mit dem Institut für Innovation und Technik (iit), Berlin, erarbeitet hat. Auf fast 150 Seiten wird im Detail erläutert, mit welchen Maßnahmen sich die ProbleWorn Again Start des Swiss Textile Recycling Ecosystems Auf Basis der innovativen Recyclingtechnologie von Worn Again Technologies soll eine Kreislaufwirtschaft für Textilien entstehen. Dafür müssen alle Beteiligten der Wertschöpfungskette an einemStrang ziehen und auf dieselben Ziele hinarbeiten. Das Swiss Textile Recycling Ecosystem ist ein Netzwerk, zu dem sich Textilhersteller, Wertstoffsammler und -sortierer sowie Einzelhändler, Markeninhaber und Technologieanbieter zusammengetan haben. Die Parteien streben eine Zusammenarbeit an, um gemeinsame Nachhaltigkeitsvisionen für den Sektor zu verwirklichen. Die Partner werden verschiedene Textilabfälle an die Demonstrationsanlage von Worn Again Technologies (WAT), Nottingham/Großbritannien, liefern, die 1.000 t Material pro Jahr verarbeiten kann und in der Nähe von Sulzer Chemtech in Winterthur/Schweiz, dem Scale-up-Partner von WAT, gebaut wird. Nach der Aufbereitung werden den Akteuren der Branche neuwertige Recyclingfasern aus Polyethylenterephthalat (PET) und Cellulose zur Herstellung neuer, hochwertiger Textilien geliefert. Konkret wird das Konsortium aus den Hauptaktionären von WAT, Sulzer, Oerlikon und der H&M Group, bestehen. Darüber hinaus wird Rieter die Kurzstapelspinnerei unterstützen, Monosuisse sich um die PET-Faserproduktion kümmern, Coop als Einzelhändler fungieren, Texaid die Sammlung und Sortierung organisieren und zusammen mit Sallmann (ISA) und Serge Ferrari die Ausgangsstoffe liefern – alles koordiniert von Swiss Textiles. Die Gründung des Swiss Textile Recycling Ecosystem ist ein wichtiger Meilenstein im Scale-up des Recyclingverfahrens von Worn Again Technologies. Sie dient dem Ziel, eine Kreislaufwirtschaft zu schaffen, in der nicht wiederverwendbare und schwer zu recycelnde Textilien wieder in die Lieferketten rückgeführt und zu neuen Fasern, Textilien und anderen Produkten verarbeitet werden. Der Bau der ersten Demonstrationsanlage von Worn Again Technologies wird dieses Jahr in Winterthur in der Schweiz beginnen. Hierbei handelt es sich um einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zur Hochskalierung und Kommerzialisierung der Recyclingprozesstechnologie des Unternehmens. 142 melliand Textilberichte 4/2022

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